Zu schön für diese Welt:
Tragisch, manchmal

Eigentlich ist es ja tragisch. Verdammt tragisch. Wenn man sich selber nicht leiden kann. Wenn man Cellulite entdeckt. Zusammenwachsende Augenbrauen. Fett. Fältchen. Wenn man zu kleine Brüste oder eine Zahn-spange hat.

Oder wenn man eigentlich weiß, dass wohl in absehbarer Zeit kein Pferd mit Prinz zum Heiraten und happily ever after auftaucht.

Und weil dies Thema – das Ich versuche Euch zu ent-sprechen bzw. das Ich versuche Euch nicht zu entspre-chen – eigentlich so schrecklich tragisch ist, hab ich mich gefreut, dass die Baden-Badener es gestern nicht tra-gisch, exhibitionistisch-voyeuristisch, unangenehm oder zeigefingrig gezeigt haben. Nein. 50 Minuten atemloser, schnoddriger, spielwütiger, well-made, flashender Spaß.

Auch. Auch Spaß. Aber nicht nur Spaß. Nicht nur ein Flash. Besser, mehr, tiefer. Die selbstgemachten Mono-loge, die einzelnen Shows aus den einzelnen Badezim-mern montierten sich zu etwas Großen das dann noch durch Songs kommentiert, ins Groteske, und auf eine Ebene der Selbstreflektion gesteigert wird. Die Mädels machen sich hübsch und posieren und tun interessiert und gucken doof und wollen doch nur, dass man sie liebt. Und die Jungs, die tanzen nicht. Nein. Die tanzen nicht. Die Jungs tanzen. Nicht. NEIN.

Und dann wiede diese großen, ernst-erhabenen Thea-termomente. Die, die dann auf Photos manchmal ein bisschen zu groß aussehen. Dave hat gestern ein Photo gemacht, da sieht man diesen Rasierschaumkerl im blau-grünen Neon-Licht an einer Wand runtergesunken, wie aus einem Independent-Schwarz-Weiß-Film, wo am Schluss alle tot sind. Dazu würde dann Jeff Buckley Hal-leluja singen, und man würde heimlich schniefen.

Halt großes Ding.

Foto: Dave Großmann