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„You never walk alone“

„You never walk alone“ knallt auf den Amboss in meinem Ohr, F.A.-Cup-Finale zwischen Liverpool und Man City, 80.000 Frauen heben die Fäuste und donnern los, was das Zeug hält. Während ich noch sitze gestern Abend, habt ihr den Schwanz mir aufgeblasen bis ich geplatzt bin, mir die Eier abgeschnitten und sie Loriots berühmte viereinhalb Minuten und dann hart gekocht. Liebe kommt und kommt.

In meinem Kopf läuft parallel eine Inszenierung von unbekanntem Regisseur ab, „Boys, boys, boys““ zeigt Männer in Röcken, die sich schminken, die sich Ohrschmuck und Seidenschals umhängen und trotzdem nicht schwul sind – weil es darum gar nicht geht.

Diesen Traum, ich kenne ihn, ich hänge mir Pappschilder um, wenn ich zu Hause vorm Spiegel stehe, dann bin ich Klaus Kinski, Michael Jackson, Henry Miller und David Bowie. Ich weine vor dem Spiegel, wie ich geweint habe auch, in den letzten Minuten gestern Abend. Ich weine um den Traum einer unerfüllbaren Liebe, einer nicht zu erreichenden Wirklichkeit und plötzlich weiß ich: Immer will ich der Andere sein, immer gibt es eine neue Verwirklichung, kaum habe ich etwas erreicht, muss ich fliehen.

Manchmal denke ich, ich werde fünf Tage, sechs, sieben Tage nicht aufs Klo gehen, um annähernd zu wissen, wie es ist, eine Melone auszuscheiden. Ich möchte mit Euch pressen, schreien, möchte mit Euch tanzen und dann wieder habe ich Hunger auf Heimat, auf Bleiben und Vertrauen. Schlagsahne steht auf dem Kaminsims, weil sich Helmut und Liselotte im zweiten Frühling gerne abends noch einseifen. Ob es möglich ist oder ein Traum bleibt?

Ihr habt gesungen vom Loslassen, vom Fallenlassen in die Arme der Anderen, vom Ficken – hemmungslos ficken und dabei man selbst bleiben.

Als Eure Lederstöckel den Boden bequietschen, denke ich an einen Knebel aus Latex, der einer Person in den Mund eingeführt wird, um sie am Reden und Schreien zu hindern. In meinem Kopf habt ihr Bilder ausgelöst: Wann steigt endlich weißer Rauch über dem Vatikan auf, während alte Säcke rufen: „Habemus Mamam“?!

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
Der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.

Ave Maria, in deinem weißen Kleid betrittst Du die Spielbühne, die Rasenfläche und legst den Ball auf dem Elfmeterpunkt. Niemand kann Dich halten.