Wunschkonzert

Gastbeitrag von Ansgar Riedißer (hängt hier nur rum, war mal beim Treffen junger Autor*innen)

Während ihr euch in der Videoanalyse harte oder softe oder sweete Kritik abgeholt habt, saßen die Blogredaktion und ich allein und traurig in der Kassenhalle, mit vier Litern Kaffee. Dabei haben wir den ganzen Schokopudding gegessen (sorry) und aus irgendeinem Grund lief italienisches Radio über die Boxen. Wir haben eine halbe Stunde geschwiegen und dann hat Undine gesagt: „Weißt du, was ich total mag?“

„Musik?“, hab ich gefragt.

„Nee, Essen.“

„Und weißt du, was ich total mag?“, hat Ilias gefragt.

„Essen?“

„Nee, dass du hier ohne Honorar Artikel schreibst, obwohl du nur in deiner Freizeit hier rumhängst und gar nicht offiziell im Blog bist.“

Und von diesem deprimierenden Thema kamen wir darauf, was uns sonst im Leben fehlt, und dann darauf, was uns in unserer Spotify-Filterblase noch fehlt. Zuerst hatten wir einen Punkt. Dann drei und dann eine Liste. Und weil ihr ja die junge Musik-Szene seid, haben wir gedacht, wir schreiben auf, wonach unsere Seele dürstet und ihr macht dann was draus. Oder ihr macht was anderes. Auf jeden Fall macht ihr bitte was, damit auch unser Banaus*innen-Spotify mehr enthält als seit zwei Jahren „Look what you made me do“ von Taylor Swift in Dauerschleife. Wir glauben da an euch.

 

Wir sind uns zum Beispiel gleich einig, dass wir uns mehr Bassläufe wünschen, damit der Bass nicht immer nur als Akkordgeber brummt, sondern auch im Vordergrund steht. Und wo wir schon so tief ansetzen: auch tiefe Blechbläser, für mehr Big in der Band. Könnten nicht ein paar Tubas und Posaunen Genregrenzen sprengen?

 

Weiter wünschen wir uns mehr kesse Akkordfolgen, die sogar Undine überraschen (und sie studiert Musik) und mehr Texte, die mich überraschen (und ich studiere Literaturwissenschaft). Und mehr Songdramaturgien die sogar Ilias überraschen (und er studiert Theaterwissenschaft).

 

„Mehr Chiptunes!“, kräht Undine rein und alle geben ihr recht.

 

Gibt es nicht auch zu wenige Bassistinnen? Hallo, Gender-Thema! Da lässt sich doch noch mehr machen: Männer-Background-Vocals zum Beispiel, und eine Non-Boy-Group, die Punk oder Metal oder Rock macht, oder mindestens weibliche Drummerinnen.

 

„Ach, ich liebe Essen“, merkt Undine an und alle geben ihr recht.

 

Was wir alle gar nicht mehr hören können, sind traurige Geigen und Synthies. Unsere hearts sind jetzt schon so lange on gegangen, dass wir gar nicht mehr wissen, wo sie eigentlich hin sind. Dafür gibt es wenig coole Flöten (aber da macht uns Lizzo mit ihrer Querflöte Hoffnung).

Außerdem, sehr wichtig: Noch mehr verschiedene Sprachen! Da geht ja auch dieses TjM in eine hervorragende Richtung.

 

„Einfach mehr Musik“, seufzt Undine pathetisch, während sie rhythmisch ihren Schokopuddingbecher leerkratzt und alle geben ihr recht.