WOW. A THOUGHT – Workshop „Dérive durchs Sprachreich“

Unkreativ schreiben – geht das überhaupt? Nach Tradition des „Dérive“ und unter Anleitung von Laura Naumann und Rudi Nuss erkundeten die Preisträger*innen Berlins Sprachwelt und sammelten eine Stunde die Schriftbilder der Stadt. Während der Stadterkundungen wurden die Entdeckungen live in eine WhatsApp-Gruppe geschrieben und anschließend individuell oder gemeinsam zu Lyrik verarbeitet.

Mit Verfahren der Rekombination von bereits niedergeschriebenen Schriftstücken stellen sich auch immer die Fragen „Ist das kreativ? Inwiefern mache ich etwas Neues? Ist das danach mein eigener Text?“. Aber schon während der Schreibaufgabe ergaben sich neue Kombinationen, die den eigentlichen Aussagen der Texte eine völlig andere Konnotation, andere Bedeutung verliehen.

Und auch in der Auswertung der Rekombinationsgedichte zu Ende wurde wieder einmal deutlich; Alles, was wir als Schriftssteller*innen produzieren, arbeitet mit Neukombination von bereits „verwendeter“ Sprache und Schrift – wir können schließlich kaum unsere eigene Sprache erfinden. Es geht, wie immer, mehr um das Wie als das Was.

Oder wer es gerne theoretisch mag; nach Gérard Genette teilt sich jeder Text in zwei Ebenen. Histoire (der Plot/ was erzählt wird) und Discours (die Darstellung, /auf welche Weise die Historie erzählt wird).
Bei „Dérive durchs Sprachreich“ wurde der Discours mal richtig durchgewirbelt und das, obwohl jeder dieselben Versatzstücke zur Verwendung hatte.