Workshop:
Captain Hook –
mit Marco Trochelmann

Dieser Workshop war daraufhin ausgerichtet, sich mit einem der wichtigsten Bestandteile eines Songs auseinanderzusetzen: Der Hook. Mit diesem Wort wird das wie auch immer geartete Motiv bezeichnet, das einem Song seine Unverwechselbarkeit oder Einzigartigkeit verleiht. Es ist häufig der Fetzen, der im Kopf hängen bleibt, den man seinem Gegenüber vorsingt, wenn dieser fragt: „Wie geht dieser Song nochmal?!“ Dass genau dieser essentielle Bestandteil eines Songs einen eigenen Workshop verdient, ist offensichtlich.

Im Workshop wechselt sich kognitiver Input mit praktischen Verarbeitungsprozessen ab. Wie man es schafft, dass sich Captain Hooks Haken in einem Menschen verfängt, lässt sich eben nicht ohne weiteres rein theoretisch erschließen, sondern stellt einen fließenden Prozess, ein Verfahren dar. Zuerst will die Hook kreativ geplant, anschließend aber auch ausprobiert, verbessert, gefeilt, abgeändert, verworfen oder auch wiederentdeckt werden.

Sieht so der Captain Hook der Musik aus? Foto: Georg N. Schmitt Hierfür werden die Teilnehmer/-innen in zwei Gruppen aufgeteilt, die aus den Programmheften des TJM eine hook-würdige Aussage herauslesen sollen, um diese anschließend zu vertonen. Eine Mindmap, in der thematische Gedanken mit musikalischen Parametern verbunden wurden, soll helfen, Kreativität zu ordnen, diesem Prozess eine Richtung zu geben. Jack McCrory, Sänger der Band Platin Projekt, stellt fest, dass es sehr hilfreich sein kann, seine Kreativität einzudämmen und klar zu strukturieren. Eine Produktivitätssteigerung sei dadurch möglich. Sein Bandkollege Fabian Golenia sieht in dieser neuen Herangehensweise die Chance, sich besser und fokussierter mit einer Problematik auseinandersetzen zu können. Der formale Eingriff in die Arbeitsweise wird nicht als inhaltliche Einschränkung von außen betrachtet. Stattdessen stecken sie selbst ihre Grenzen ab und versuchen es, innerhalb derer die geforderte Mischung aus neu, prägnant und vertraut zu kreieren. Lukas Keil, Sänger von The Fläsh, hatte sich vorher noch nie so im Detail mit der Hook beschäftigt. Das heißt er genauso gut wie die Tatsache, einen Weg aufgezeigt bekommen zu haben mithilfe dessen er einen Anfang finden kann.

Am Ende des Workshops präsentieren die Teilnehmer/-innen ihre Ergebnisse, die Marco Trochelmann für sehr gelungen befindet, was er im folgenden Interview konkretisiert.

Kreatives Probieren Foto: Georg N. SchmittWie lief die 2. Praxisphase des Captain Hook Workshops ab?
Das Flipchart-Blatt lag, sichtbar für die Zuhörer, ausgebreitet auf dem Boden. Die erste neu-entstandene Band präsentierte eine sehr eingängige gesangliche Hookline, die harmonisch relativ konventionell, aber mit einem markanten Schlagzeug-Pattern begleitet wurde. Es war besonders spannend zu sehen, dass die Gruppe nach anfänglichen Schwierigkeiten ihre Hookline, also das Zentrum veränderte und noch in kurzer Zeit zu einem fantastischen Ergebnis kam.
Die zweite Band hat sehr klar an den Vorgaben gearbeitet und eine Art Hip-Hop-Track mit einer atmosphärischen Begleitung entwickelt. Dabei wurde der Begriff „Regenbogengrau“ als Wort-Hook verändert und pointiert. Alle Instrumente wurden mit kleinen Hook-Elementen besetzt, die an das Text-Fragment angelegt waren. Der dadurch entstandenen Dichte wurde in einem letzten Schritt entgegengewirkt, indem die einzelnen Instrumentalisten klare Aufgaben bekamen, um ihren Part auf den Punkt zu spielen und gleichzeitig Raum zu schaffen.

Was nehmen die Teilnehmer/-innen mit?
Die Methode des Workshops zeigt, wie man arbeiten kann, wenn man nicht richtig vorwärts kommt. Sie ist ein Modell von vielen, um kreatives Potenzial entfesseln zu können. Musiker/-innen haben eine Möglichkeit diese zu Hause beim Songwriting anzuwenden und benennen zu können, weshalb ältere Songs unterschiedlich gut funktionieren. Das „Nachbessern“ fällt dann umso leichter.

Was ist denn an Flipcharts mit Methoden kreativ?
Alles eine Frage der Dauer des Flipchartens. Es ist immer nur ein kurzer Input, ein kurzes Bewusstwerden über Prozesse. Der Hauptgegenstand des Workshops war, als Musiker einen Schritt neben sich treten zu können und mithilfe einer Systematik zu verstehen, was man eigentlich gerade tut. Als Kreativer ist das ein schwieriger Moment, weil man denkt, dass doch alles lieber passieren und nicht so kognitiv sein sollte. Der Workshop zeigt, wie wichtig es ist, kreative Prozesse zu verstehen, um sie auch von außen betrachten und reflektieren zu können, bevor man sich wieder in einen hineinbegibt. Das vorgegebene Schema ist lediglich ein Gerüst, das natürlich auch verändert werden kann.

Mindmap Foto: Georg N. Schmitt Und was sagen die Teilnehmer?
Wir haben zwischendurch immer wieder reflektiert und festgehalten. Was ist bisher passiert? Was ist uns klar geworden? Wo ging es nicht mehr weiter? Es gab einen Moment, an dem alle gemerkt haben, wie unterschiedlichen die persönlichen Vorstellungen im Umgang mit der vorgegebenen Text-Hook aussahen. Alle mussten sich erst einmal klar werden, wohin man eigentlich wollte. Als das geschafft war, hatten die Teilnehmer nur noch zehn Minuten Zeit – und auf einmal liefen alle Vorstellungen zusammen. Plötzlich war es da.

Fotos: Georg N. Schmitt