Wo geht es hin

00:17. Es ist leer. Voll leer. Original quietschbunter Blaupause großformatiger Schwarzweißfotografien als Background. Definitiver Fixpunkt präkatriger Ambivalenz. Lieblingsabschaumschläger. Liebestod in Hekates nassrasierten Armen an der Kreuzung von Zeit und nervengiftigen Gesundheitsmitteln. Teasergeil. Tempus fugit.


Die Lesung ist aus, das Buffet abgefrühstückt, abgetragen, mancher Alkoholpegel überklettert das Adrenalin. Tischtennisbälle plopp-plopp-ploppen. Gerade war alles so voll, jetzt wird es leer. Es ist nach Mitternacht. Ich weiß noch die Uhrzeit. Guten Morgen, nichts ist mehr zeitlos. C’est bon.

Wo geht es hin.

Irgendwohin bestimmt. Menschen sind soziale Wesen, jetzt haben wir Gelegenheit, sozial zu sein. Es ist 00:18. C’est bon. Raus zum Rauchen, rein an die Bar, auf die Kissen zum Sitzen. Flauschige Allgemeinplätze. Die Drehstühle vor den Computern sind so drehbar. Man sitzt, man dreht sich, wen wunderts. Topspin, Elektronenspin, Spinner, ganz Physik, Alter, klare Sache, da kommen wir her, da gehen wir hin, Allgemeinplätze mit Drehmoment. Der Kuli klickt, mehr als der Bleistift jedenfalls. Die Tastatur klickt auch. Klickklack-Track der Schöpfung.

„Zeichnest du?“
„Nein.“
Ein so kurzes wie deprimierendes Gespräch.

So aus dem Leben gegriffen. Gezeichnet wird hier irgendwas auf. „Zeichne mir ein Schaf.“ Auf weißem Papier Blei: ein Wolkenschaf und eine Kiste. C’est bon. Mit Schaf drin. Mit schaf oda ohne schaf? – ein Dönerverkäufer. Elefanten, die Blitze aus dem Rüssel schleudern. Riesenschlangen, die Elefanten verdauen und für Hüte gehalten werden, alte Hüte, die wir hier rausholen. Dies ist kein Text, es ist eine Liveperformance. Die Kiste braucht natürlich Luftlöcher. Immer diese Tierschützer. Es gibt Isoband. Das klebt. Das rollt. Das ist gut. C’est bon. Wieso ist das hier und jetzt (und nicht nichts) – ist das nicht die Frage aller Fragen?

C’est bon. Zeichne mir einen Döner. Mit schaf! Ist das Motiv schon Kunstgeschichte? Wie Baselitz, nur umgekehrt. Die Motive verkehrt herum malen und nochmal verkehrt richtig herum aufhängen. Ein Schaf plus Döner werden zielsicher als pikant erkannt. Richtig falsch gesehen.

Kiste mit Luftlöchern – Schweizer Käse im Auge des Betrachters. Das Schaf, das am Fiskus vorbei seinen Schafskäseverkäufserlös auf Schweizerkonten deponiert. So viel Kapitalismuskritik in sieben Strichen. Und da sag nochmal, du zeichnest nicht.

Jeder Mensch ist ein Künstler. Geht eine soziale Skulptur auch zweidimensional kugelgeschrieben?

Dies ist der Moment, da ein nackter Mensch erscheinen und dem Gespräch eine unverhofft neue Richtung geben könnte. Wir sehen uns um. Das Drehstuhldrehmomentsdrogenexperiment expandiert. Wo gehen wir hin.

„Isch bin dafür, wir spielen Tischtennis auf Stühlen…“

Warum denn auch nicht.

Hey. Hallo. Wohin geht ihr. Wohin. Wir fangen doch grade erst an. „Wir gehen! Ja! Juhu!“ Feiern wir uns mehr selber. „Ich bin noch nicht bereit zu gehen.“

Warum ist es dann so leer.

„Dann gute Nacht. Falls ihr heute noch schlafen wollt.“ Er winkte. Er zwinkerte. Auf die zynischste Weise der letzten paar Minuten. C’est bon.