Wir tragen uns selbst

Die Kastanien fallen, die Wespen suchen den Boden ab, das Tanztreffen hat begonnen. Nach dem Mittagessen sitzen wir auf dem Gras und üben Kopfstand. Hinknien, Unterarme auflegen, Hände verschränken, Kopf hineinlegen und festhalten, dann mit den Füßen immer näher zum Oberkörper laufen und abheben. Da stehen wir nebeneinander kopfüber, die Haare im Gras mit den Kaninchenkötteln, spüren den Druck am Schädel und ziehen ihn hoch in die Schultern. Plötzlich sind wir kopfüber und der Körper ist ein anderer, einer, der nach Gleichgewicht sucht und fest ist am Boden und sich wiegt mit dem Wind und der nach unten guckt, um den Himmel zu sehn. Einer, der leicht fallen und auf die anderen achten muss und nicht mehr die gleiche Kontrolle hat. Wir stehen kopfüber im Gras, die Kastanien fallen, die Wespen suchen den Boden ab, wir tragen uns selbst.