Wir spielen hier mal Gilgamesch

Die Eleven des Friedrich-Schleiermacher-Gymnasiums in Niesky erzählen ihrem Publikum von Gilgamesch und machen aus dem König ein Phantom. Von Tong Mao

Der Gilgamesch-Epos ist mehr als 4000 Jahre alt. Mit der zeitgenössische Relevanz solcher Texte ist es manchmal ein bisschen schwierig. Kulturschaffende schwören zwar immer wieder auf die Aktualität von Ilias und Odyssee. Aber die sind immerhin über 3000 Jahre jünger. Außerdem haben sie den Vorteil, dass sie von den alten Griechen stammen. Von denen denken so manche Leute ja gerne, dass sie sie mit der Muttermilch der Bildung aufgesogen hätten.

Bei dem aus Mesopotamien stammenden Gilgamesch-Epos fällt es da schwerer, eine Antwort auf die Frage zu finden: Was hat das mit uns zu tun? Die Eleven vom Friedrich-Schleiermacher-Gymnasium treten daher die Flucht nach vorn an. Statt den Gilgamesch-Epos nachzuspielen, führen sie vor, wie das ist, wenn man sich mit einer sehr altehrwürdigen, aber halt eben auch sehr alten Story auseinandersetzt.

In ihrem Stück „Das Phantom von Uruk“ geht es daher gar nicht so wirklich um Gilgamesch, den König von Uruk. Es geht um Die Eleven selbst, um die freien, zum Teil auch ziemlich chaotischen Assoziationen, die sie zum Gilgamesch-Epos entwickeln. Es geht darum, wie sie aus dem Epos vom König die Story vom Phantom von Uruk machen.

Auf der Bühne erzählen die Darsteller*innen zwar den Epos nach. Doch dabei unterbrechen sie sich immer wieder selbst: Weil sie noch mal schnell googeln müssen, wo Uruk überhaupt liegt. Weil sie noch kurz mal loswerden müssen, dass sie Gilgamesch gemein finden. Oder weil sie dem Publikum unbedingt erklären müssen, welche netten Dinge man mit der allerbesten Freundin <3 macht. (Spoiler: ganz bestimmt nicht die Sachen, die der Gilgamesch mit seinem besten Freund <3 Enkidu macht).

Bei diesen unzähligen Interventionen wird es im Laufe des Stücks zunehmend schwerer, der Nacherzählung des Epos zu folgen. Am Ende weiß vermutlich niemand im Publikum so genau, was alles im Gilgamesch-Epos passiert. Aber dafür haben die Zuschauenden einen ehrlichen Einblick in die Gedankenwelt der Eleven bekommen.