William Forsythe – Who’s that?

Neben all den beeindruckenden Tanzperformances der sieben prämierten Tanzensembles bietet das Tanztreffen der Jugend jedes Jahr auch ein mannigfaltiges Campus-Programm an:

In einer Reihe intensiver Workshops erhalten alle Tanzbegeisterten hier auf dem Festival besondere Einblicke in die unterschiedlichsten Bereiche der Tanzwelt, dürfen sich ausprobieren und dabei Neues für sich entdecken. Dabei richtet der Fokus im CAMPUS-Programm sein Augenmerk jährlich auf die choreografische Handschrift einer bedeutenden Persönlichkeit des zeitgenössischen Tanzes: In diesem Jahr ist es der Choreograph William Forsythe. Wir von der Blogredaktion haben uns gefragt, wer und was sich alles hinter diesem Namen verbirgt und haben eine Entdeckungsreise in die transformierte zeitgenössische Welt des klassischen Balletts gewagt:

Dass Forsythe die Welt des Tanzes enorm geprägt hat (und es weiterhin zu tun pflegt), ist wahrscheinlich allseits bekannt. Beispielsweise schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung in einer Ausgabe aus dem Jahr 2002, er sei „einer der drei oder vier wichtigsten Choreografen, die das klassische Ballett zu Beginn des 21. Jahrhunderts vorantreiben“. Was ist jedoch das Besondere an der Kunst Forsythes? Vielleicht ist es die revolutionäre Kraft, die dieser Kunst inne wohnt. Gepaart mit sehr viel Wissen – über das Wesen des klassischen Tanzes und einer leisen Vorstellungskraft, wie man es ergänzen und verändern könnte.

Forsythe – lange Zeit Ballettdirektor in Frankfurt am Main und anschließend Gründer der Forsythe-Company mit Spielorten in Frankfurt und Dresden – gelingt es, das Vokabular des klassischen Balletts zu erweitern, indem er mit der, im Guckkastentheater üblichen, konfrontativen Situation zwischen Tanzenden und Publikum bricht. Der tanzende Körper ist nun also nicht mehr ausschließlich zu den Zuschauer*innen hin ausgerichtet. Dadurch erhält er viel mehr Spielfläche und Bewegungsfreiheit auf der Bühne, und auch das Verhältnis der Tänzer*innen zueinander wird infolgedessen verändert: sie tanzen für ein Miteinander auf der Bühne und nicht mehr nur, um vom Publikum wahrgenommen zu werden.

Durch eine Reduktion des Bühnenbildes und der Requisiten wird zudem den Tänzer*innen viel mehr Bedeutung entgegengebracht. Stilelemente der Bühne, wie etwa das Licht, werden fortan nur so eingesetzt, dass sie die Ausdruckskraft und Virtuosität des tanzenden Körpers intensivieren. Eine partielle, seitliche, oder auch scherenschnittartige Ausleuchtung der Körper auf der Bühne ermöglichen beispielsweise neue Wahrnehmungsperspektiven auf den menschlichen Körper und seine Bewegung.

Thematisch bemüht sich Forsythe um einen Aktualitätsbezug: So setzt er in seinen Inszenierungen den Tanz mit Computertechnologie, Hirnforschung oder Medienkunst in Beziehung. Tanz erzählt bei ihm keine Geschichte. Tanz denkt tanzend über den Tanz nach. Gern versucht Forsythe die Zuschauer zum „Mittanzen“ zu animieren, etwa indem er sie auf Hüpfburgen herumtoben oder sich einen Weg durch von der Decke schwingende Pendel bahnen lässt.