Wie die Bundeswettwerbe
lernten zu tanzen

Der erste Gedanke für einen neuen Bundeswettbewerb kam Christina Schulz vor fünf Jahren beim 30. Theatertreffen der Jugend. Es war ihr erstes Jahr als Leiterin der Bundeswettbewerbe. „Ich stellte fest, dass der Tanz im Theatertreffen unterrepräsentiert ist und ein eigenes Treffen bekommen sollte“, sagt sie. „Durch den Intendantenwechsel 2011 kam die Frage auf, wie sich die Bundeswettbewerbe weiterentwickeln können. Intendant Thomas Oberender hat maßgebliches Interesse daran, dass die Wettbewerbe an Strahlkraft gewinnen.“

Zusammen mit dem Intendanten entwickelte sie ein neues Konzept für die Bundeswettbewerbe – mit einer eigenen Sparte für den Tanz. „Dieses Konzept wurde Anfang 2012 dem Bundesministerium für Bildung und Forschung vorgestellt“, erklärt Christina Schulz. „Das Ministerium hat es sehr positiv aufgenommen, konnte jedoch nicht alleine über die Eingliederung eines neuen Bundeswettbewerbes entscheiden. Denn die Entscheidung über die Förderung von Bundeswettbewerben müssen gemeinsam zwischen Ländern und dem Bund entschieden werden.“ Nach eineinhalb Jahren und vielen Gesprächen war es im Sommer 2013 dann soweit: Eine Arbeitsgruppe aus Bund und Ländern akzeptierte das Tanztreffen der Jugend als vierten Bundeswettbewerb. „Im Oktober 2013 wurde das Tanztreffen geboren und die Bewerbungsphase begann“, sagt Christina Schulz.

Um die Bundeswettbewerbe im vollen Umfang zu organisieren, beantragt Christina Schulz jedes Jahr aufs Neue finanzielle Mittel beim Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das Bundesministerium sei sich der Wichtigkeit und Wertigkeit der Bundeswettbewerbe bewusst, so Schulz, daher war es allen Beteiligten bewusst, dass das Tanztreffen genauso wie die anderen Wettbewerbe ausgestattet werden muss. „Außerdem bietet das Haus der Berliner Festspiele die perfekte Infrastruktur für die Organisation der Wettbewerbe“, erklärt sie.

„Es ist nicht verwunderlich, dass Tanz erst nach über 30 Jahren zu den Bundeswettbewerben hinzugestoßen ist“, meint Tomas Bünger aus der Jury. Tanz hätte innerhalb der Künste immer einen anderen Stellenwert und eine andere Selbstverständlichkeit – es sei immer die vierte Sparte. „Tanz musste sich über Jahrzehnte Autonomie erkämpfen“, so Thomas Bünger. Doch die Situation werde besser und es werde zunehmend mehr investiert, so Christina Schulz. Dafür sei das Tanztreffen ein Beweis.

Die Berliner Festspiele und die Bundeswettbewerbe planen die vier Sparten noch enger zu verzahnen. „Um Jugendlichen eine Wahrnehmung für alle Künste zu zeigen, würden wir gerne eigene kunstübergreifende Formate schaffen“, sagt Christina Schulz. Tanz, Theater, Literatur und Musik sollen sich also in Zukunft unter dem Dach der Bundeswettbewerbe gegenseitig noch stärker inspirieren.