Who is „The Two“?

Auf der Suche nach einem Skandal stolperte der Praktikant der Blogredaktion über seinen eigenen Schatten. Der unbedarfte Blogger sitzt in seinem eigenen Schweiß auf einer wackligen Holzbank und starrt in versteinerte Gesichter. Seine Frage „Habt ihr einen Celebrity-Crush“ brach nicht das metaphorische Eis. Paula Moré und Jeele Johannsen treten als das Zweierensemble „The Two“, zu Deutsch „die Zwei“ am Sonntag und am folgenden Dienstag mit ihrem Stück „course of life“ auf. Seit der Trennung von Megastartraumpaar Angelina Jolie und Brad Pitt sind Paula und Jeele in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit gerückt. Wie positioniert man sich als tänzerisches Duo zu diesem Zwischenfall. Das Interview mit dem stockfaulen, ungebildeten Praktikanten der Blogredaktion
war wohl der falsche Schritt.


Praktikant: Paula, findest du, dass Jeele zu viel säuft?

Paula: Nein. Habe ihn noch nie betrunken erlebt.

Jeele an den Interviewer: Wir sind auch garnicht zusammen, falls du das denkst.

Schon nach der Eröffnungsfrage ist der erste Tiefpunkt des Interviews erreicht. Mit der Feinfühligkeit eines Donald Trump brettert der Praktikant weiter durch seine schlecht recherchierten Fragen.


Eine Frage an euch als Powercouple: Wer hat mehr von der Choreographie erarbeitet?

Jeele schafft mit Charme, der seinesgleichen sucht, die Situation zu entschärfen:

Jeele: Wir habe eine klare Rollenverteilung und ergänzen uns dadurch sehr gut. Ich kann gerne mal richtig abdrehen und dann ist Paula der ruhige Part, der mich zurück auf den Boden der Tatsachen bringt.

Paula: Jeele ist extrem stark darin, strukturiert vorzugehen, während ich bevorzugt über Improvisation an der Ideenfindung zum Stück arbeite.


Was hat euch an dem Eheleben Brangelina am meisten beeindruckt?

Paula: Ich finde es ein bemerkenswertes Zeichen der Selbstbestimmung, dass Angelina sich ihre Brüste hat amputieren lassen zur Krebsprophylaxe. Es ist ein relevantes Thema, abseits des üblichen Promi-Klatsch und Tratsch.


Adoption, gut?

Jeele: Brangelina scheinen ein sehr menschliches Paar gewesen zu sein und konnten es durch ihre wohltätige Arbeit auch im familiären Rahmen zum Ausdruck bringen. Das ist gut.


Habt ihr einen Celebrity-Crush?

Jeele: Ne.

Paula: Was ist das?

Jeele: Es ist meiner Meinung nach sehr oberflächlich. Ich finde den Bewegungshabitus von Johnny Depp lustig, aber das passt wohl nicht zu „Crush“.

Paula: Es gibt schon Sachen, die ich gut finde, aber ein Starvorbild habe ich nicht.


Warum heißt ihr „The Two“? „Both“ oder auf Deutsch „Die Beiden“ hätte es doch auch getan.

Paula und Jeele lachen. Vermutlich über die Oberflächlichkeit dieser Frage.

Paula: Es klingt einfach cooler auf Englisch. Außerdem steht „The Two“ dafür, dass wir die ganze Arbeit nur zu zweit geleistet haben, es gab keine Instanz, die uns irgendwie unter die Arme gegriffen hat.

Auf der verzweifelten Suche nach Beef zeigt
der Praktikant sein wahres Gesicht.


Im Programm heißt es: „Wir wollen Menschen eine Geschichte über die Facetten des Lebens erzählen“.
Ihr seid beide 19, was denn für Facetten?

Jeele: Es handelt sich um ein subjektives Stück, wir kennen das Leben so,
wie wir es erlebt haben und stellen unsere Sicht der Dinge künstlerisch dar.


Habt ihr ein ähnlich facettenreiches Leben, wie Brangelina?

Erstmals verliert der so geduldige Jeele die Fassung:

Jeele: Ich kriege diesen Querbezug echt nicht auf die Reihe.
Keine Ahnung, wie Facettenreich deren Beziehung ist.

Mitglieder anderer Tanzensembles sind unterdessen stehen geblieben und buhen den Interviewer aus. Er spürt, wie das Wasser ihm langsam zum Hals steigt. Unbeholfen ringt er mit seiner nächsten Frage um Sympathiepunkte bei den zwei Künstlern.


Jeele, alle Teilnehmer, die ich bisher gesprochen habe, fanden dich extrem nett. Warum?

Jeele: Bitte was?


Warum bist du so nett?

Jeele: Sanguinisch trifft es besser. Ich versuche,
nicht auf Anhieb ein Arschloch zu sein

Der Praktikant macht sich heimlich Notizen für vielleicht folgende Interviews. Gegen Ende des Gesprächs versucht der Praktikant den Bogen zum Anfangsthema zu schlagen (Brangelina). Ein Stilmittel, dem sich die meisten Journalisten, die etwas auf sich halten, zu schade sind.


Fürchtet ihr nach der Trennung von Brangelina um eure Zukunft als künstlerisches Duo?

Paula: Nein.

Jeele: Wir sind komplett anders. Ich bin eher wie Angelina Jolie und Paula ist eher wie Brad Pitt.

Beide lachen, der Praktikant versteht den Witz nicht. 


Zum Abschied werden Hände geschüttelt. Zwei sympathische Künstler, denen man nur eine schillernde Zukunft auf den bundesweiten Bühnen wünschen kann, verlassen fassungslos das Hotel der Blogredaktion.


Foto: David Holdowanski