„Wenn ich einen
falschen Ton spiele,
spiele ich ihn einfach
noch mal.“

Sebastian Lange hat bei diesem tja die Preisträgerlesung sowie die Lesung der Ehemaligen musikalisch begleitet. Wir haben ihn unter anderem am Saxofon gehört. Das klang ziemlich wild. Uns hat interessiert, was er da eigentlich gemacht hat.

Du hast gespielt, wir waren baff. Wie hast du das gemacht? Gab es eine Komposition?

Nicht wirklich. Ich habe zu den gelesenen Texten improvisiert. Dabei habe ich immer eine Ausgangsidee, aber was daraus wird, weiß ich erst, wenn ich spiele. Natürlich habe ich mich auf die Lesung vorbereitet. Ich habe die Texte durchgelesen und darüber nachgedacht, welche Emotionen sie vermittelt wollen. Diese Ebene habe ich versucht, in Musik wiederzugeben. Es geht dabei nicht darum, den Text zu vertonen nach dem Motto: Apfel fällt vom Stamm und ich spiele ein Pong.

Viele Musiker machen aber genau das. Wir finden musikalische Intermezzi bei Lesungen deshalb verdammt peinlich.

Überhaupt nicht. Texte vermitteln Gefühle, sind aber schwerer fassbar. Man muss erst über einen Text nachdenken. Bei Musik funktioniert das viel unmittelbarer: Ein Dur-Akkord ist fröhlich, ein Moll-Akkord traurig – das merkt man sofort ohne darüber nachdenken zu müssen. Deswegen finde ich Musik als unterstützendes Mittel bei einer Lesung meistens sehr gut.

Vieles von dem, was du gespielt hast, haben wir so noch nie gehört. Wir wussten nicht, dass solche Töne auf dem Saxofon möglich sind.

Für mich reichen Dur und Moll einfach nicht aus, um Stimmungen wiederzugeben. Ich nutze gerne ungewöhnliche Effekte. Bei der Lesung habe ich versucht, die ganze Bandbreite an möglichen Tönen auf dem Saxofon zu zeigen. Vieles ergibt sich aber auch aus Fehlern, besonders in der Anfangszeit. Ich spielte da in einer Improvisationsgruppe. Wir haben drei Stunden ohne Pause gespielt. Ich konnte noch nicht so gut Saxofon spielen damals. Da ist schon einiges schiefgegangen. Heute nutze ich Fehler bewusst für die Improvisation. Das habe ich übrigens hier beim Theatertreffen gelernt: Wenn während des Stücks ein Scheinwerfer von der Decke fliegt, baut man das halt mit ein. Fehler machen die Spannung aus.  Wenn ich einen falschen Ton spiele, spiele ich ihn einfach noch mal. Und noch mal.

Sebastian Lange, geb. 1994 in Schwerin, lebt heute in Berlin, wo er u.a. klassisches Saxofon an der „Hans Eisler“ Hochschule für Musik studiert. Er war Teilnehmer beim ttj 2011. 

Foto: Dave Großmann