Wenn du nicht mehr da bist:
„Und nobody hat mal
nachgefragt?!“

Das Ensemble vom Theater an der Parkaue zieht einen Plot an den Haaren herbei, um mit sehr viel Charme die großen Fragen des Lebens zu stellen. „Glaubst du an ewige Liebe?“ „Nein!“       

Man hat ein bisschen das Gefühl, das Stück fängt erst richtig an, als Lea plötzlich 44 ½ ist. Bis dahin haben sich die Spieler aus „Wenn du nicht mehr da bist“ in relativ beliebigen Szenen mit allerlei Facetten des Todes befasst, denn: „Alles stirbt, in jeder Sekunde – meine Haare, meine Hautschuppen.“ Tobias hält einen Impulsvortrag (Was ist „suicide by cop“?), bis er als Troubadix in der Ecke endet, Leon will ein mexikanisches Totenfest, Yolanda schreibt einen Brief an Felix. Denn Felix ist der Grund für dieses ganze Spektakel. Felix ist gestorben, deswegen hat Tobias am Wurststand Geld beim Intendanten für dieses Projekt beantragt: „Weil wir sonst gar nicht mehr klarkommen würden.“ Das alles plätschert so dahin, zwischen sehr dichten Momenten („Wenn ich nur noch eine Minute zu leben hätte, dann würde ich mir wünschen, dass man weiß, wie man Abschied nimmt.“) und heiteren Absurditäten (wie dem Tod in blauen Socken).

Der deus ex machina aus dem Jumbojet reißt dann alles raus, samt „Spring Break“-Käppi: Felix ist nämlich gar nicht tot, der war nur ein Jahr in Amerika und ist jetzt viel „opener“. Dass das Totentänzchen hier für ihn aufgeführt wird, kann er gar nicht glauben: „Nobody hat mal nachgefragt?!“ Alles ziemlich schräg, aber darin liegt der Charme der Inszenierung. Denn plötzlich springt Lea aus dem Jetzt und hüpft als 44-Jährige zurück: „Eben warst du noch ein junges Ding, und schon bist du ne gestandene Frau mit Ehemann.“ Der kommt dann auch noch gleich hinterher, und alle sind geschockt. Wie schnell die Zeit vergeht! Als schließlich alle so in alt auf der Bühne stehen, wird klar: Das sind ja gar nicht wir, das sind Mama, Papa, Oma! Und die erzählen gemeinsam, was für sie Abschied heißt, von den Kindern, wenn man plötzlich nicht mehr der wichtigste Mensch im Leben ist (es aber auch wieder Platz im Bad für die eigene Kosmetik gibt). Mit dieser Perspektivöffnung macht die Inszenierung einen geschickten Bogen um die Nabelschaufalle und bleibt gewitzt. Chapeau für ein außergewöhnliches Ensemble.

Foto: Dave Großmann