Wenn du nicht mehr da bist:
IHR WERDET ALLE STERBEN

Die mega-meta Show fickt uns alle ins Herz

Ein Stück, das Abschied verarbeitet. Ein Foto von ihrer letzten ttj-Produktion wird an die Wand projiziert. Ihr schönster Moment. Doch jetzt ist alles scheiße. „Wir verabschieden uns (…), wir verabschieden alle!“ Aus dem Ensemble treten Leute, Julius’ Hund ist gestorben, Felix urplötzlich verschwunden. Sie sagen sich, er sei in Amerika, aber in Wirklichkeit sei er tot. Die Parkauer versuchen es zu verarbeiten. Sie werden schrecklich kitschig, zitieren Wikipedia, Julius weint über seinen Hund, sie ziehen sich Ponchos an und feiern das Día de los Muertos. Der Tod tritt auf, es wird gelacht, hier und da nette Ideen, alles leicht deplatziert. Aber die Mistkerle haben die ganze Zeit was in petto – ihre verdammte Familie. Felix in Amerika-Top läutet die zweite Hälfte ein. „What’s going on here?! You think I’m dead? And nobody hat mal nach gefragt?“ Er war in Amerika und sie hatten sich in ihrer manischen Auseinandersetzung mit Tod eingeredet, er sei tot.

Doch dann treten sie durch ein Altersportal und ihre Eltern plumpsen auf die Bühne. Im Hintergrund erklären die Parkauer dem Felix, dass diese Szene die rasante Drift der Zeit verdeutlichen soll: „Ein total theatralischer Effekt (…)! Ich glaub das war die beste Szene im Stück“. Das Stück bearbeitet, wie es sich bearbeitet. Es ist ein schrecklich sentimentales Stück über das ttj und Jugendtheater selbst. Felix, der von der ganzen Aufführung verblüfft ist, da sie auf der Grundlage seinen Todes entstand, ließt sich das Programmheft durch: „…eine lebendige Inszenierung…“. Eine lebendige, liebevolle Inszenierung, die durch ihren Humor bewegt – ist ja nicht zu fassen. Die Kids gehen mit ihren Eltern raus und verbrennen ihre Textil-Relikte. Nur noch die Omis, Adele und Petra, verbleiben auf der Bühne und reden herrlich ironisch über ihren Umgang mit dem Tod: „Abschied ist ja auch immer ein neuer Anfang, Adele.“ Ach, scheiße, Herzchen, was für ein geiles Ende. Es hat mir persönlich auch viel gebracht, danke.

Foto: Dave Großmann