Wenn du nicht mehr da bist:
Die Eltern auf der Bühne

Felix aus dem Ensemble lebt nicht mehr, behaupten die Jungs und Mädels von der Parkaue. Zeit zum Nachdenken: über Abschied und übers Sterben.

Natürlich ist Felix noch im Ensemble. Er taucht in der zweiten Hälfte plötzlich auf. Sein Tod: Ein Kniff, um die Handlung von „Wenn du nicht mehr da bist“ in Gang zu bringen. Die Truppe macht keinen Hehl daraus, dass sie Theater macht. Und die Truppe legt mit ironischem Augenzwinkern offen, wie sie es macht. Ein Schauspieler gesteht: „Wir haben uns übers Sterben unterhalten und versuchen, daraus ein Stück mit verschiedenen Szenen zu machen.“ Und sie liefern.

In der Mitte des Stücks fragen sich die Jugendlichen, wie sie wohl aussähen, wenn sie plötzlich erwachsen würden. Die Frage wird schnell beantwortet. Zur großen Überraschung des Publikums tauchen die Eltern und Großeltern der Schauspieler auf: So oder so ähnlich wie die Eltern werden auch die Schauspieler später aussehen. In einem chorischen Monolog formulieren die Eltern einen herzzerreißenden Abschied an ihre Kinder: „Das beruhigende Gefühl, dich in der Nähe zu wissen, dein zerknautschtes Gesicht, wenn du morgens müde aus deinem Zimmer wankst.“

Jeder sieht: Nicht irgendwelche Erwachsenen stehen da auf der Bühne, es sind die tatsächlichen Verwandten der Schauspieler, das zeigen die Ähnlichkeiten in den Gesichtern, das zeigt der versteckte Stolz in ihren Bewegungen. Ein pathetischer Moment, der nichts dadurch einbüßt, dass er lang einstudiert wurde, sondern der gerade durchs Theater entsteht: Die Bühne wird zum magischen Ort, an dem Großeltern, Eltern und Kinder sich als Familie präsentieren und gemeinsam übers Sterben und Älterwerden sprechen. „Wer hat noch nie einen Toten gesehen?“, ruft einer aus der Gruppe, ein anderer ruft: „Wer denkt immer, wenn er auf dem Klo ist, scheiße, wenn ich jetzt sterben würde, das wäre echt peinlich?“

So amüsant und konzentriert bringt das Theater an der Parkaue zwei Dutzend Männer und Frauen aus drei Generationen auf die Bühne und verknüpft lustige und nachdenkliche Szenen zu einer leichtfüßigen Collage.

Foto: Dave Großmann