Orbitalbotschaftscamp –
Veränderung

Dass Etienne nun blaue Haare hat, spiegelt nur einen Bruchteil der Veränderungen wider, die das Tanztreffen der Jugend im Vergleich zum Theatertreffen der Jugend mit sich gebracht hat. Ganz neue Facetten zeigt auch und vor allem unsere Forschung: So waren wir in den letzten Tagen Dank neuester Technologie dazu in der Lage, volkommen neue Seiten der Menschheit abzubilden, die sich beim Theatertreffen der Jugend noch unserem Blick entzogen haben. Die folgenden Darstellungen sind nur eine vorläufige Zwischenbilanz unserer Ergebnisse. Wir möchten hier keinesfalls suggerieren, dass das Tanztreffen der Jugend bessere oder wichtigere Erkenntnisse gebracht hat als das Theatertreffen der Jugend. Denn klar ist: Etienne stehen sowohl blaue als auch blonde Haare.


Bee beschreibt, welche verheerenden Auswirkungen Vorurteile haben können.


Die Stärke unserer Forschung im Rahmen des Theatertreffens der Jugend liegt vor allem darin, dass sie die formalisierten Bewegungsabläufe der Menschheit zusammengefasst hat: Wie äußern sich menschliche Emotionen wie Wut, Frustration, Schmerz oder Freude? Wie begegnen sich fremde Menschen? Wie verläuft Intimität zwischen Menschen? Wie sieht es aus, wenn ein Mensch denkt, meditiert oder sich selbst findet? Winken, Kämpfen, Kopfstand. All diese Bewegungsabläufe folgen – wenn sie für andere Menschen verständlich sein wollen – zu einem gewissen Grad Regeln, die in den Strukturen unserer Gesellschaft eingelassen sind und die wir uns im Laufe unseres Lebens aneignen.


The future’s in the air,
I can feel it everywhere,
blowing with the wind of change.


Interessant ist, dass diese formalisierten Regeln der körperlichen (Selbst-)Darstellung in den Botschaften unterlaufen werden, die im Rahmen des Tanztreffens der Jugend formuliert werden. Die Tänzer*innen kreieren – wenn auch nicht in einem Raum der vollkommenen Abwesenheit formalisierter Regeln  – eigene Bewegungsabläufe, die ihr (emotionales) Innenleben nach außen zu tragen versuchen. Mit dieser „Stärke“ des Tanzes – der Tatsache, dass er sich gesellschaftlichen Regeln entzieht – ist gleichzeitig seine größte „Schwäche“ verbunden: Indem er sich nämlich den formalisierten Regeln gesellschaftlicher Kommunikation entzieht (außer es handelt sich um Tänze, die einem festen Regelwerk folgen), wird er zu einem großen Teil unverständlich (oder vielmehr: uneindeutig) für Außenstehende. Wird Wut oder Trauer dargestellt? Winkst du mir zu und trittst in Beziehung zu mir oder ist diese Bewegung deines Armes Ausdruck einer Emotion und du bleibst für dich?


Am Tag nach der Bundestagswahl konnten Tyrone und Tyreece nur noch ihre rechte Seite bewegen.


Hier wird das Spannungsfeld deutlich, in dem sich menschliches Leben bewegt. Folge ich vorgegebenen Mustern und bleibe damit verständlich für andere? Oder folge ich meinen eigenen Impulsen und riskiere das Missverständnis? Neue Bewegungsabläufe können formalisiert werden und damit in das gesellschaftliche Bewegungsrepertoire übergehen. Einmal bestandene Regeln können ihre Wirksamkeit verlieren und werden unverständlich für spätere Generationen. Erst die Kombination der Forschungsergebnisse des Theatertreffens der Jugend und des Tanztreffens der Jugend macht eine solch umfassende Beschreibung des menschlichen Lebens möglich.


Titelbild & Videos: Josephine Fabian