Urban Sounds Clash Classic:
ttj in the house

Im Stile einer Late-Night-Band mit DJ-Pulten, PC-Controllern und einer angedeuteten Bar präsentieren sich die Spielenden der akademie der autodidakten. Über ihre relativ starr choreographische Aufstellung sind vier Leinwände aufgebaut, auf denen Videosquenzen gezeigt werden. Berliner Impressionen. Es geht um das jugendliche Leben in der Stadt. Die Spielenden zeigen in verschiedenen Szenen ihren Alltag – Aufstehen, Uni, Party. Von einem zum anderen Ort mit der U-Bahn. Dies alles wird als Show inszeniert: Eine Musiknummer löst die andere ab (von denen “Berlin ist Single” meiner Meinung nach deutlich am besten ist) und Hasan führt moderierend durch den Abend. Das klappt insoweit ganz gut, als dass der französische Pianist in wenigen Gesten einen verqueren Künstler mimen kann und die Spielenden immer dann am unterhaltsamsten sind, wenn sie sich mit den Klischees einer Berliner Subkultur ironisch auseinandersetzen. Wenn also der Kamm nach dem Kämmen einfach am Hinterkopf ins Haar gesteckt wird. Wenn das Rezitieren der Universitätslektüre zunehmend von Vulgärausdrücken infiltriert wird.

Allerdings sind auch immer wieder die Momente da, in denen sich die Produktion zu ernst nimmt und dadurch unfreiwillig komisch wird. Dies ist insbesondere bei den selbstgeschriebenen Texten die große Gefahr. Man hört den ernsten Versuch, das Lebensgefühl “Berlin” in Lyrics zu fassen. Entstanden sind jedoch Texte, die in ihrer formalen Machart den Inhalt nicht tragen. So führt die Empfindlichkeitslyrik zu einer fast schon expressionistischen Überladung mit Adjektiven (“versuche zu schwimmen zwischen toten, dicken, schweren Locken”). Ebenso sind die Bilder schief gebaut, beispielsweise “und atmet die Sonne einen Gedanken leichter”. Auch sind die Reime nicht elaboriert, sondern meist einfache oder identische Reime, die in ihrer Unterkomplexheit wie karnevalleske Pointen wirken: “ich spaziere unter die linden / um dich zu finden”. Dann wieder schlägt der Ton in Umgangssprache um, “auf jeden / auf jeden”. Das ist konfus und führt zu Lachern. Letztendlich wirken dadurch die als rhythmisierend intendierten Wiederholungen nicht immer. Man bleibt gefangen im Limbo. Schade, denn darunter leidet die Narration.

Nichtsdestotroz hat Urban Sounds Clash Classic auf charmante Weise einen gelungenen ttj-Abschluss eingeleitet. In einer Tanzszene werden Zuschauende animiert, auf die Bühne zu treten. So stürmen einige die Tanzszene, die kurz darauf dadurch beendet wird, dass die Spielenden der autodidakten sich auf den Boden fallen lassen wie nach einer langen Partynacht. Kurzerhand lassen sich auch die zuvor im Publikum Gesessenen auf den Bühnenboden fallen. Ein toller Moment: Die ttj-Spielenden agieren gemeinsam auf einer Bühne, respektieren das Spiel, indem sie mitspielen. Wie Hasan nach einem kurzen Versprecher angekündigt hat: “Berliner Festspiele: ttj in the house”!

Foto: Dave Großmann