Urban Sounds Cash Classic:
Mission Failed

Die Gruppe ,,Urban Sounds Clash Classic‘‘ hatte sich zum Ziel gesetzt Berlin aus verschiedenen Perspektiven unter Einsatz von Musik und Film darzustellen. Sie stellten sich die Frage ,,Wie erzählt man eine Geschichte und vor allem warum erzählt man sie? Wie baut man einen dramaturgischen Rahmen, der für den Zuschauer nachvollziehbar ist und wie stellt man sich auf der Bühne dar?‘‘ Mit Hilfe von Elektro-Musik, Aufnahmen des Alltags und teilweise lyrischen Texten schaffen sie große Bilder.

Meiner Meinung nach wurden diese Bilder nicht mit Inhalt gefüllt. Ich hatte das Gefühl, dass sie die Bühne rocken wollten, aber ich für meinen Teil war nicht zu begeistern. War das Stück publikumsabhängig? Meiner Meinung nach sind sie sich selbst nicht gerecht geworden. Eine Liebeserklärung an die Heimat hat immer mit viel Pathos zu tun, aber auch mit persönlichen Geschichten. Diese fehlten mir bei diesem Stück. Sie berichten von 8 Stunden mal 5 Tage arbeiten, von langen Nächten. Aber nicht von den Menschen um sie herum, oder was sie wann erlebt haben. Sie bleiben allgemein.

Berlin, als Metropole, als Hauptstadt ist mit bestimmten Projektionen und Attributen behaftet. Hätten die Spieler*innen eine andere Stadt z. B. Darmstadt oder Ulm genommen, wären die Schwierigkeiten der Erzählweise noch deutlicher geworden. Sie singen und rappen über Berlin. ‘’Was ist Berlin?’’, fragen sie das Publikum. Aber nicht sich selbst. Ich höre in keinem ihrer Sätze, was Berlin als ihre Heimat für sie ausmacht. Woran sie merken, dass sich Berlin verändert hat. Die Frage mutiert zu einem leeren Song-Vers, der hinausgerufen wird, aber keine Gefühle bei mir weckt.

Die Jugendlichen haben sich auseinandergesetzt, sie haben recherchiert, sie haben geschrieben, aber mir wurde als Zuschauerin nicht deutlich warum sie diese Anstrengung unternommen haben. Die einzige mögliche Metaebene wäre der Text über Philosophie mit Fäkalwörtern gewesen, aber die Sprache war zu komplex, es ging zu schnell und übrig blieb nur: ,,Ey, du hast ja Möse gesagt.’’ So haben sie oft versucht mit einfachen Mitteln, das Publikum für sich einzunehmen. Mich konnten sie so nicht gewinnen. Applaus nach dem Stück ist Ehrung. Applaus während des Stückes dagegen ein Vertrauensvorschuss. Aber ohne Inhalt konnte für mich keine Identifikationsfläche hergestellt werden, daher fand aus meiner Sicht eine Abgrenzung zwischen Berlinern und Nichtberlinern statt. Ich konnte kein Vertrauen aufbauen. Dies führte dazu, dass Szenen, in denen das Publikum aufgefordert wurde mitzumachen, wie zum Beispiel bei dem Song “Berlin ist single”, nicht sofort funktionierten und zu einer quälenden Situation wurden, in der ich mich unwohl fühlte. In der ich nicht wusste, wie sich die Jugendlichen auf der Bühne darstellen wollten.

Mit dem Begriff ,,postmigrantisch‘‘ im Hinterkopf freute ich mich eigentlich auf ein Stück, dass zwar Migranten zeigt, aber nicht das Thema Migration zum Inhalt hatte. Menschen mit Migrationshintergrund sollten selbstverständlich Kunst machen können, ohne, dass der dabei ausgestellt wird. Aber dieser Anspruch wurde verfehlt, genauso wie die programmatischen Vorsätze des Stückes nicht erfüllt wurden.

Foto: Dave Großmann