Urban Sounds Clash Classic:
Eine Stimmung von Berlin

Mit „Urban Sounds Clash Classic“ hat die akademie der autodidakten ein kleines Animationsprogramm auf die Theaterbühne gelegt. Gleich am Anfang soll das Publikum jubeln und applaudieren. Applaus fürs Haus der Festspiele, Applaus für die anwesenden Theaterclubs, Applaus für Performer und Musiker auf der Bühne, Applaus für jeden Einzelnen im Publikum.

Schließlich sei man in Berlin und es sei Freitagabend. Als der Funken nicht so recht überspringt, heißt es: Das müsse daran liegen, dass nicht alle im Publikum aus Berlin kommen. Also werden ein paar Leute gefragt, ob sie Berliner sind. Wer keiner ist, muss sich setzen. Wer einer ist, bekommt Applaus.

Bei so viel Applaus wird ein Star am Mikrofon gebraucht. Und der wird auch geliefert und singt. Die Stimme ist okay. Zwischendrin kämmt er sich immer mal wieder und steckt sich den Kamm ins Haar. Mit der Zeit kommen Discokugeln und Nebelmaschine zum Einsatz.

Es ist eine große Stimmungs-Show und eine Liebeserklärung an die Stadt Berlin. Die Jungs tragen Schlips und Anzug, einer tritt mit Sonnenbrille im Bademantel auf, die Mädels tragen schicke, enge Klamotten. Es geht den autodidakten darum, sich selbst zu feiern. Aber das Publikum ist zum Mitfeiern eingeladen.

Die Hooks der Songs lauten: „Berlin ist single“, „Was ist Berlin?“ und „Auf jeden Fall“. Bei „Berlin ist single“ soll jeder mitsingen, „auch die Pärchen“.

Ironische Brüche festigen das Konzept: So tritt ein Mädchen vors Mikro, und die Nebelmaschine speit. Doch dann sind nur Schnarchgeräusche zu hören, und das Mädchen schließt die Augen. Eine Rapperin stürmt die Bühne und legt eine Performance hin. Erst danach wacht das Mädchen wieder auf. Man macht keinen Hehl daraus, dass man protzen möchte, und dass mehr verspricht, als man liefert. Die Feier wird reflektiert und fortgesetzt.

Während der Performance flimmern Videos von Berlin über die vier Leinwände: Straßen und U-Bahnen, die Performer im Dönerladen, an der Uni, oder bei sich Zuhause, frühstückend.

Zwischen den Songs werden lyrische Texte vorgetragen. Sie handeln vom Leben in Berlin: vom Arbeitengehen und Feiern, vom Verkatert-Sein, und vom Einsamsein. Dabei ist kein Sprachklischee zu schade, und auch kein Reim: „In dieser Stadt, in der meine Hoffnungen den Asphalt rauchen/ tickt die Uhr eine Tonlage tiefer/ und atmet die Sonne einen Gedanken leichter.“ Oder: „Ich laufe unter die Linden/ um dich zu finden.“ Oder: „Wer hat dir dein Lächeln geklaut, Berlin?“

Man merkt: Die Performance setzt eindeutig nicht auf tiefgründige Gedanken, sondern auf ein großes Gefühl. Es geht nicht darum, Zusammenhänge in die Zeilen zu lesen – das wäre kaum möglich. Sondern es geht darum, auf einzelne Worte zu achten: Lächeln, Hoffnung, Liebe, Dreck. Die Stimmung, die vermittelt werden soll, ist eine Mischung aus Blues, Sexyness, Coolness und Großstadtromantik. Es ist eine Ästhetik des Abgefuckten.

Das alles ist eine inhaltsleere Freude, ein narzisstischer Dauerrausch. Wer die Stimmung nicht teilen könne, heißt es, der habe eben Berlin noch nicht verstanden. An dieser Schwelle teilt sich das Publikum: Einige haben es verstanden, und singen oder tanzen am Ende gleich mit auf der Bühne; einige andere nicht.

Foto: Dave Großmann