UM:SCHREIBEN –
VERONIQUE SCHIRRMEISTER

UM:SCHREIBEN pirscht sich an die Schreibenden, die dieses Haus bewohnen, an, versucht, sie
im Detail & im Moment nachzuvollziehen, lehnt sich an ihre Gedanken,
sucht die Farben ihrer Sprache, schenkt euch ein Bruchstück Entstehungsprozess.


Der Lyrikworkshop hat diskutiert. Revolution & Poesie war die angestrebte Symbiose oder zumindest das Spannungsfeld. Doch immer wieder stießen sich die Teilnehmer den Kopf, oder zumindest die Füße an Alabaster und Ideologie. „Staat“ sei kein schönes Wort und vielleicht haben die Revolutionen der Vergangenheit das Leiden nach außen gekehrt und zum eigentlichen Gesicht des Revolutionären gemacht. Revolutionäre Sprache und Thematiken sind behangen von Schreckgespenstern der Geschichte und manchmal auch von Nostalgie.


Es ist nicht Mode, über Revolution zu schreiben, nicht Mode, aus dem Privaten herauszutreten und Lyrik in den Kontext vieler zu stellen. Da ist Angst vor der Instrumentalisierung der Sprache und des Ichs, vor Pathetik, und auch Zweifel an den Mitteln, zu denen man greift. Aber verstummen wollen die Teilnehmer*innen des Treffens junger Autoren deswegen nicht. Über all das ein politisches und trotzdem persönliches Gedicht von Véronique Schirrmeister.


du stirbst nur
in einer juristischen sekunde
im zeitpunkt
in dem jemand eigentümer
deiner Ideen wird
ohne Nadel und faden
um die offenen wunden
zu vernähen
du tanzt noch-
bald kommt der adler
der deine lieber frisst


Foto: Ella-Mae Paul