UM:SCHREIBEN –
ANSGAR RIEDIßER

UM:SCHREIBEN pirscht sich an die Schreibenden, die dieses Haus bewohnen, an, versucht, sie im Detail & im Moment nachzuvollziehen, lehnt sich an ihre Gedanken, sucht die Farben ihrer Sprache, schenkt euch ein Bruchstück Entstehungsprozess.



Ansgar Riedißer. Ansgar sagt: „Kernlose-Weintrauben-Saatgut, das sich selbst abschafft.“ Ansgar redet auch vom Utilitarismus des Bloggens. Es kursieren Gerüchte, dass seine Freundlichkeit gegenüber der Redaktion eine einfache und doch klug kalkulierte Strategie ist, ein Portrait von ihm auf diesem Blog veröffentlicht zu sehen. Die Redaktion ist natürlich unbestechlich und hält sich mit Aussagen solcher Art prinzipiell zurück, möchte sich mit diesem Post aber auch öffentlich als sehr angetan outen. Das Gedicht, das Ansgar UM:SCHREIBEN zur Verfügung gestellt hat, ist eine präzis bebilderte, sanfte Warnung vorm Sprachewerden der lebendigen Welt. Dabei erinnert die Stimmung und die Botschaft sehr an ein Rilkegedicht, welches Ansgar bis zum heutigen Tage unbekannt war. Wir haben also quasi getauscht, ein Rilke gegen ein Riedißer – und für euch, hier beides.


Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

– Rilke


Fotos: Ella-Mae Paul