„Twailait“: Absurdes Begehren  

Die Theater AG EchtEinstein aus Groß-Bieberau widmet sich dem Twilight-Hype. In der Buchreihe von Stephenie Meyer entscheidet sich Protagonistin Bella nach langem Hin und Her zwischen Werwolf und Vampir für die Liebesbeziehung mit dem Vampir Edward Cullen.Eine Schauspielende zählt auf, welche Twilight-Fanartikel sie als 13-Jährige besessen hat: Bettwäsche, Taschen, Plakate und ein Puzzle. Endlich konnte sie sich den coolen, unnahbaren Vampir selbst zusammenpuzzeln. Das Puzzle wird zur Metapher für das ganze Stück. Das Ensemble will die Twilight-Saga dekonstruieren und in ihren Einzelteilen analysieren. Auf der Bühne formt sich ein energischer Chor, der fragt: Muss ich dem Mainstream folgen? Was macht so ein Hype mit mir? Ein vielversprechender Beginn.

Die Protagonistin Bella gilt als Identifikationsfigur für viele Mädchen. Sie ist ein Mauerblümchen mit geringem Selbstwertgefühl. Zudem tritt sie emotionslos auf. Trotzdem wirkt sie wie ein Magnet auf Edward. Wie kann das sein? Diesen Widerspruch legt das Ensemble frei. Leider thematisiert es dabei nicht die damit verbundenen Gefahren. Denn Bella konstituiert sich selbst durch Edward und begibt sich dadurch in eine Abhängigkeit zu ihm. Edward rettet Bella in der Geschichte oft vor ihrer kindlichen Hilflosigkeit. Twilight bedient sich damit einer Heteronormativität, die sich vor allem in der abusiven Machtkonstellation von Bella zu Edward manifestiert.

Im Lauf des Theaterstücks bringt sich Bella immer wieder in Gefahrensituationen. Die Schauspielenden stellen unvermittelt und befreit vom Kontext die Szenen aus dem Film nach. In Zeitlupe rettet Edward Bella vor einem Zusammenprall mit einem Auto. Albern und überzogen wird der Moment inszeniert. Einige im Publikum lachen, vermutlich sind ihnen Bücher und Filme noch präsent.

Kontrastiert werden diese fiktiven Szenen mit persönlichen Erfahrungen. Die Gesichter der Schauspielenden werden auf eine große Leinwand projiziert; sie erzählen von ihrem erstem Kuss und ihrem Verhältnis zu Jungs. Dabei parodieren sie die Geschichte mit ihrer überzogenen Mimik und Gestik. Einer der wenigen ernsten, authentisch wirkenden Momente war der Gesang einer Schauspielerin in der Mitte des Stücks.

Die Inszenierung „TWAILAIT“ wirkt wie ein Puzzle aus parodierten Film- und Buchszenen und persönlichen Erlebnissen. Die Schüler*innen haben Spaß und nehmen sich dabei selbst nicht allzu ernst. Mitzulachen fällt leicht, kritische Momente sind in der Parodie aber nur vereinzelt zu erkennen.

Viele Szenen erinnern an Slapstick. Zugleich zeigen sie auf, wie viel Macht medial aufgebauschte Hypes auf Teenager haben: Wie sich also von den teils giftigen Wünschen und Begierden trennen, die so konstitutiv für die eigene Identität ist? Die Spieler*innen befinden sich in einem Zwiespalt. Sie erkennen die Absurdität der heteronormativen Zwänge, dennoch formt sich der Wunsch, den Vorbildern nachzueifern. Vor diesem Kontext ist besonders Bellas Position zu betrachten, die letztlich bereit ist, sich für ihre Liebe zu Edward zu opfern. Das Ensemble steht an einer imaginären Klippe. Welches Bild vermittelt es Jugendlichen, dass Bella sich nicht als starke unabhängige Heldin der Geschichte etabliert? Eine Frage, die das Ensemble offen lässt.