Topinambur –
Messerschnitt durch Raum

Denke ich an den gestrigen Abend zurück, so blieb mir vor allem die Perspektive auf die Bühne in Erinnerung. Ein Catwalk durchschneidet den Raum, von meiner Seite aus gesehen rechts gibt es noch eine Bühne mit einer Leinwand. Das spannende an dieser Perspektive: Ich betrachte die ganze Zeit auch das Publikum auf der anderen Seite und mir kommt es so vor, als würde ich in einen großen Spiegel schauen und meine eigenen Reaktionen sehen.

Gleichzeitig fühle ich mich getrennt und konfrontiert. Das Stück handelt von Trennung und Konfrontation – Abnabelung vom Elternhaus. Mir scheint es, als nehme das Bühnenbild diesen Schnitt ebenfalls vor.

Publikumsraum ist für mich immer der Raum, in welchem die Emotionen des Zuschauers stattfinden. Wenn ein Schauspieler den Publikumsraum betritt, dann hebt er die Trennung zur Bühne auf und macht es möglich den Zuschauer emotional stärker zu fesseln, weil er in seinen Raum eindringt.

»Tapinambur« gelingt das natürlich nur soweit, als dass es eine Bühne im konventionellen Zuschauerraum etabliert. Von dort aus wird nicht noch zusätzlich in das Publikum gegangen.

Ich denke, die Nutzung des Bühnenraums in »Tapinambur« war mit wesentlich formale Artikulation der Thematik: Neben dem oben erwähnten Schnitt, der die Trennung zum Zusammengewesenen darstellt, war die Bühne auch Catwalk einer Plastikgesellschaft – neue Möglichkeit, einer Jugend, die von Eltern, Therapeuten und Telefonansagen nicht mehr verstanden, wenn überhaupt wahrgenommen wird, sich zu zeigen.

Foto: Skarlett Rîhner