Texte der Lesung: Lea Wahode

Montag Abend haben Schaja Aenehsazy, Lisa Harres, Laura Bärtle, Miriam Pontius, Lea Wahode und Philipp Neudert von der FZ sich zusammen auf die Bühne gesetzt und Selbstgeschriebenes gelesen. Texte über Gärten, das Weltall, Laternen und Freundschaft, Wortcollagen, Prosa und Gedichte. Hier jetzt zum Nachlesen auf dem Blog.

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im museumsplan

 

wenn die häuser sich falten

tauchen laternen in tropfendes pflaster

horchen im untergrund

ein zittern, ein rauschen (jemand klopft sich die schuhe)

riecht dem weißgrau des wohngebiets nach

 

Aus den Traumjournal:

Hier ist ein Stein.

Wenn ich mir vorstelle, Emma zu heißen, sehe ich die Spuren darauf.

 

Der Grundriss ist verschwunden.

Vielleicht unter den Dielen oder im Spalt zwischen Matratze und Wand.

Jemand hat eine Vermesserin geschickt und Kugeln im Haus verteilt. Sie dienen der Orientierung, hat Jemand gesagt. Sie weisen der Kamera den Weg.

Die Vermesserin ist nicht gekommen

beziehungsweise

sie hat den Eingang nicht gefunden

beziehungsweise

die Tür ist aus rauem Holz und knarzt. Dahinter riecht es nach Kaffee und Kardamom.

Sie ist im zweiten Stock.

Wer hinaustritt, landet im Orangenbaum.

 

Und diese Faszination für alles Abstrakte

alles, was an den Rändern ausfranst,

das ist auch nur eine Art Flucht.

 

Ein Telefon klingelt. Das Bild baut sich ab.

Gefaltet passt es in den Mauerriss.

Außen klopfen Finger, ein Bröckeln.

 

Im Sprechen zieht die Lyrik sich zusammen

 

die Stimme ein Abgleich

tropf’ den Wänden entgegen, vermiss’

die Silben sanden einander an

drehen Kreise wie Worte ohne Landeplatz

Schallabgleich

das kann eine Atemwende bedeuten

 

bei Regen sitzt die Sprache auf der Zungenspitze

Fluchtpunkt ist wo Worte Wasser werden.

 

Ein Alphabet gehört sich nicht

 

Trägerin der Atempause

schichtest Luft in Vorher und Nachher

die Stimme steigt Stufen, Absätze

 

zwischen den Fingern tropft

verzögerte Schwerkraft

in Bögen dem kurzen i entgegen

 

ﺙ / ﺕ

Sammelbecken: zittern Zungenspitzen zwischen Zähnen

was den Kreis verschluckt, zieht zurück

wird Plosion, Luftdruck

 

ﺱ / ﺵ

Verdunstung trocknet den Boden

in geteilte Wolken

ein schwacher Wind

Anschwellen von Wortlosigkeit verschwindet im Vokal, (wird zu Tee)

 

ﺝ / ﺥ / ﺡ

Im Plural liegt ein Keuchen

das findet sich als Schattenlinie unter Brüsten

sammelt Salz an warmen Tagen

 

Lea