Testosteron: Grüne Soße

Grüne Soße von meiner Oma mag ich gerne. Die auf der Bühne heute Abend weniger. Die Geschichte über Marina kam am Anfang durch choreografische Unterbrecher nicht in die Gänge, hörte aber umso schneller, nämlich mittendrin, auf. Ich habe oft lange gebraucht, um zu erkennen, was gerade dargestellt werden will: Die Stellungsfantasien erinnerten mich an das Würfelspiel „Schweinerei“. Die Spiegelszene war zu unpräzise, um gleich als solche erkannt zu werden. Die sexistischen Witze wurden nicht dadurch legitimiert, in einen Rahmen à la „Ich erzähle euch jetzt mal eine Geschichte“ gesetzt zu sein, da dieser Rahmen überflüssig war.
Ideenlosigkeit zeigte sich in der Länge der Szenen, sowie in ihrer Aufmachung: Unentschlossenheit dadurch darzustellen, dass man hin und her rennt, ist langweilig. Wirre Gedanken durch Gleichzeitig-ins-Mikrofon-Sprechen hörbar zu machen, auch. Eine grundlegende Unglaubwürdigkeit schlich sich ins Stück ein, die von kleinen Fehlern wie dem – so schien es mir – falschen Einsatz der Musikinstrumente, befördert wurde. Wieso spielen, dass man außer Atem ist, wenn man wirklich außer Atem ist? Wieso die Kamera? Wieso Menschenklumpen, viel zu lange Gesangseinlagen? Wieso nicht ins Individuelle gehen, anstatt überall- und immergesehene Bilder zu sammeln?

Foto: Dave Großmann