Katzelmacher:
Taubgeprügelte
Wahrnehmung

Wie klingen Rihanna-Songs am schönsten? Ohne Strophen, verzerrt und schmerzhaft schief gesungen. Dazu der rotierende Zeigefinger. Er ist da und wird sich drehen bis zum Ende der Welt. „We found love in a hopeless place.“ Hoffnungslos ist der Ort wirklich: Es gibt keine Menschen, nur Puppen. Nicht die Figuren sprechen, sie werden gesprochen – verzerrt und aus dem Off. Ihre Sätze werden durch endlose Repetitionen verfremdet.

In seinen besten Momenten funktioniert dieser Kunstgriff sehr gut, etwa in der angesprochenen Rihanna-Szene. Oder als erklärt wird, dass der griechische Gastarbeiter „besser gebaut“ sei. Wo? „Am Schwanz. Am Schwanz. Am Schwanz. Am Schwanz. Am Schwanz. Am Schwanz.“ Wo nochmal? „Am Schwanz, am Schwanz, am Schwanz…“ Das ist so abstrus, dafür gibt es Szenenapplaus.

Eine andere starke Szene zersplittert im Stroboskoplicht. Es geht um eine Prügelei, die Bewegungen wirken durch das Licht noch mechanischer. In diesem Licht auch zu spielen und zu sprechen, wagt die Inszenierung nicht. Grundsätzlich spricht aus dem Stück eine Furcht davor, das Publikum zu überfordern. Nur in wenigen, verschämten Momenten sprechen die Figuren durcheinander, fast nie geschehen verschiedene Dinge gleichzeitig auf der Bühne, nie gibt es ein Überangebot verschiedener Reize. Das hätte ein gutes Gegengewicht zu den eindimensionalen Repetitionen darstellen können.

Die Szenen werden durch blendendes Licht, das in schlagartige Dunkelheit übergeht, und durch dröhnenden Industrialpunkrock voneinander getrennt. Wenn das Licht wieder anspringt, hat sich die Figurenkonstellation auf der Bühne geändert. Was anfangs noch überraschen, ja, erschrecken kann, verliert seine Wirkung nach vielfacher Wiederholung. An der Stelle einer gewollten Monotonie tritt etwas, das unfreiwillig wirkt wie – Einfallslosigkeit. Minimale Variationen in der Intonation reichen nicht aus, die Spannung zu halten. So löst sie sich zunehmend auf und weicht der Langeweile.

Die Eintönigkeit wirft mich auf mich selbst zurück. Nicht einmal eine Szene in völliger Dunkelheit, in deren Verlauf die Darsteller*innen durchs Publikum gehen und mir meine Mütze abnehmen und andersherum wieder aufsetzen, hat noch eine Wirkung auf meine von von den Repetitionen taubgeprügelte Wahrnehmung. Einige Leute um mich herum lachen. Andere dösen schon. Mein distanzierter Blick weiß immer noch: Was da auf der Bühne geschieht, entlarvt, klärt auf, zeigt Zusammenhänge, ist irgendwie durchdacht und durchgestylt mit fremdgesteuerten Figuren und verfremdeten Stimmen. Aber ich habe keine Kraft mehr, das gut zu finden. Sodass ich am Ende nur erleichtert denken kann: „Jetzt ist es ja vorbei.“