Solos for Supper III –
Marie Diot und Simon Benjamin
im Interview

Eine Solistin und einen Solisten gibt es heute noch bei Solos for Supper.

Marie Diot

Foto: Marie DiotDu schaffst es nicht dir eine ordentliche Frisur wachsen zu lassen. Wie würde das aussehen?
Wahrscheinlich einfach lange Haare. Vielleicht würde ich auch tatsächlich mal einen Haargummi kaufen. Wenn man bei Wind Eis isst, ist das sehr kompliziert mit langen Haaren. Ich erinnere mich noch. Bei Wind konnte ich immer nur in eine Richtung Eis essen, was tatsächlich etwas ungesellig war, weil ich mich abwenden musste.

Was hast du dann gemacht?
Erst habe ich angefangen, mir meine Haare selbst zu schneiden. Das ist aber schon zehn Jahre her. Dann waren die schon mal ein bisschen chaotischer, weil man sich die Haare nicht gut selbst schneiden kann, außer man hat so einen krassen Friseurspiegel. Hab ich nicht. Irgendwann habe ich dann ausprobiert, was passiert, wenn ich mir meine Haare nicht mehr kämme. Das Resultat trage ich jetzt auf dem Kopf.

Was studierst du?
Ich studiere Popular Music mit Hauptfach Klavier an der HMTM Hannover. Man lernt Musiktheorie, im Studio zu produzieren, Medienmanagement etc. Es geht auch darum, eine Künstleridentität zu finden. Man kann die Schwerpunkte verschieden setzen. Ich will eher künstlerisch arbeiten.

In welche Richtung möchtest du dich dort bewegen?
Es geht gerade von deutschsprachigen Popsongs in Richtung Kabarett. Ich rede auch viel während meiner Auftritte. Das lag am Anfang daran, dass ich so wenige Songs hatte. Ich finde auch, dass man zwischen den Songs mit dem Publikum reden sollte, wenn man ein Bild von sich selbst vermitteln möchte.

Worüber redest du so?
Ich habe mal überlegt, ob ich nicht Vorträge halten soll. Dann lernt das Publikum wenigstens was. Dafür müsste ich das alles aber erst einmal selbst lernen.

Du hast auch ein Bandprojekt.
Ich spiele in einer Elektro-Indie-Band. Ich spiele auf einem MicroKORG und einem Midi-Controller.

Wie lernt man das?
Die sind intuitiv recht verständlich. Man schließt das Gerät an und es funktioniert. Für mich ist die Herangehensweise auch sehr experimentell. Ich sehe, da gibt es Knöpfe. Dann frage ich mich, was die Knöpfe bewirken und so. Der Spaßfaktor ist unglaublich hoch. Man kann so viel mit den Geräten machen, weiß es aber selbst gar nicht. Manchmal drücke ich während eines Auftritts Knöpfe, ohne zu wissen, was dann passiert.

Wieso hast du auch angefangen, elektronische Instrumente zu spielen?
Gerade, wenn man ein ganzes Konzert spielt, kann man die Leute nicht nur deprimieren. Das ist nicht mit mir vereinbar, dass das Publikum denkt, es werde unterhalten, und am Ende gehen alle weinend nach Hause. Das wäre mein Albtraum.

Trotzdem hast du nur zwei lustige Songs?
Deswegen muss ich bei Auftritten auch immer so viel reden. Um die traurige Stimmung zu neutralisieren.

 
Simon Benjamin

  Foto: Florian SchmidtWie ist es als Solokünstler in Berlin?
Es ist insofern schwer, als dass es sehr viel Konkurrenz gibt, gerade bei Singer-Songwritern. Gleichzeitig ist es auch gut, dass es viele Locations gibt. Man kann überall Leute kennenlernen,  die man nicht nur als Konkurrenz ansehen darf, sondern auch als Personen, mit denen man Kontakte knüpfen oder sich austauschen kann.

Wie organisierst du deine Auftritte?
Natürlich läuft vieles über Kontakte. Ich habe aber auch Gigmit entdeckt. Künstler und Veranstalter können sich dort eintragen. Im Anschluss kann man sich für Veranstaltungen bewerben.

Du willst Musik auf Lehramt studieren.
Es wäre auch reizvoll, ein Instrument zu studieren. Für die Musik, die ich machen will, sehe ich das aber nicht als nötig an. Ich gebe auch jetzt schon Musikunterricht. Ich rede gerne über Musik und freue mich, wenn ich andere mit dem, was ich sage, begeistern oder inspirieren kann. Nur weil ich auf Lehramt studiere, heißt das aber nicht, dass ich zwangsläufig Musiklehrer werde. Spaß hätte ich daran aber auf jeden Fall. Meine Traumberuf wäre aber Musikredakteur.

Wie viele Schüler hast du?
Ich habe 5 Schüler im Alter von 7 bis 15.

Du sagst, dass du deine Gitarre bei deinen Songs häufig umstimmst. Ist das nicht besonders gängig?
Es gibt mittlerweile einige Künstler, die das machen. Vielen ist diese Möglichkeit aber nicht bewusst. Als ich Songs von Ben Howard gehört und gespielt habe, habe ich das für mich entdeckt. Ich habe auch einen Künstler getroffen, der irische Gitarre spielt. Irgendwann habe ich das bei eigenen Songs ausprobiert.

Du spielst auch Saxophon, verwendest es aber nicht für deine Songs.
Da habe ich mich noch nicht herangetraut. Es ist eine große Herausforderung das Saxophon in meiner Musik unterzubringen.

Das Treffen junge Musik-Szene ist schon fast vorbei. Was nimmst du fachlich für dich mit?
Nach dem Songnavigator-Workshop habe ich angefangen, meinen ersten Song auf Deutsch zu schreiben. Mir wurde oft gesagt, dass ich auch mal versuchen soll,  deutsche Songs zu singen. Mit den Open-Tunings, die ich für meine Songs verwende, wäre ich einer der wenigen deutschen Interpreten, der das machen würde.

Gleich geht das Abschlusskonzert los. Was gibt es von dir?
Ich spiele meinen Song „Keep you safe“. Für meinen Song „Wanderer“ begleitet mich Jacob, der Gitarrist der Band The OW’s, am Klavier. Mit Ole werde ich einen Song von Damien Rice spielen und mit den anderen Solisten „I’m yours“ von Jason Mraz covern.

Foto Marie Diot: privat
Foto Simon Benjamin: Florian Schmidt