Solos for Supper II –
Freund von Anton
und Ole Riebesell im Interview

Freund von Anton

Foto: Dave GroßmannWäre das hier ein Interview, würde jetzt die Frage kommen, wie du auf diesen Künstlernamen gekommen bist und wer denn bitte Anton ist.
Ich hatte wenig Lust mich zu nennen, wie ich wirklich heiße. Den Namen Anton fand ich einfach schön. Mich nur Anton zu nennen, fand ich doof. Freund von Anton hörte sich ganz schön an.

Du hattest mal ein Bandprojekt. Wie hat sich das von deinem jetzigen Stil unterschieden?
Eigentlich waren wir zu zweit. Ich weiß gar nicht, ob man das Band nennen darf. Ich habe zusammen mit einem Schlagzeuger gespielt. Wir haben versucht, Rock und Singer-Songwriter zu kombinieren.

Wie klingen Klavier und Schlagzeug zusammen?
Grundsätzlich ist es schwer, die Lautstärken der Instrumente einander anzupassen. In gewisser Weise funktioniert es aber doch. Es gibt nur eine Band die ich kenne, die diese Kombination auch ausprobiert (Me and my Drummer). Grundsätzlich hat die Kombination aber einen sehr interessanten Klang.

Was hat sich zu deiner jetzigen Herangehensweise an das Songwriting geändert?
Mittlerweile sind die Songs viel privater geworden. Das ganze Projekt ist viel näher bei mir. Ich schreibe die Songs für mich. Das erfüllt mich um einiges mehr. Dass es auf der Bühne funktioniert, ist für mich auch wichtig aber eher zweitrangig.

Du machst auch Musik für Theaterprojekte.
Vor ca. 2 Jahren habe ich mein Interesse am Theater entdeckt und auch angefangen in Jugendclubs zu spielen. Dadurch hat es sich ergeben, auch Musik für Theaterstücke zu schreiben.
Auch hier schreibt man wieder für die Bühne und hat einen gewissen Rahmen vorgegeben. Beim letzten Theaterstück habe ich die Musik z. B. für meine Rolle geschrieben.

Inwiefern unterschied sich diese Rolle von dir selbst? Und der Songstil von deinem privaten Musikstil?
Die Figur, die ich gespielt habe, war in einer lebensbedrohlichen Situation. Das ist aber trotzdem ein Thema, für das man relativ schnell Ideen findet. Ich hätte mich der Aufgabe vielleicht auch nicht angenommen, hätte ich gewusst, dass das Thema mich nicht betrifft oder ich keine Ideen dazu finden kann.

Gibt es Themen, die in Songs zu oft behandelt werden?
Natürlich ist das klassische Thema in der Musik Liebe. Dazu hat auch jeder mindestens 2, 3 Songs im Repertoire. Das ist aber auch ein Thema, das einen Menschen zum Großteil beschäftigt und auch emotional am meisten mitnimmt.
Es gibt also viele Songs dazu, aber wenn jeder das Gefühl hat, dazu etwas schreiben zu wollen, dann finde ich das in Ordnung. Ich glaube man kann nicht sagen, dass es zu viele Songs zu einem Thema gibt, wenn jeder einen Grund hatte, diesen Song zu schreiben.

 

Ole Riebesell

Foto: Dave Großmann Was würdest du machen, wenn du mehr Zeit hättest?
Ich würde mehr Musik machen, üben. Vielleicht mal wegfahren, um irgendwo Songs zu schreiben.

Wo würdest du gerne hinfahren?
Am liebsten ans Meer. Oder ewig lange Spaziergänge machen. Gegen den Wind laufen. In den Wind schreien können, ohne dass jemand dabei ist.  Großstädte sind gar nichts für mich. Da habe ich nicht das Gefühl, dass ich mich zurückziehen und meine Ruhe haben kann. Vielleicht kommt es daher, dass ich denke, ich müsste immer noch mehr machen.

Heißt das, du hast insgesamt zu wenig Zeit, Musik zu machen?
Tatsächlich habe ich das Gefühl, gerade andere Dinge machen zu können, wenn ich denn mal übe. Oft komme ich nicht zu einem Ergebnis und bin deshalb unzufrieden.

Du hast auch ein Bandprojekt.
Ich spiele mit drei Frauen in einer Band. Wir haben einen Probentermin pro Woche. Das reicht aber nicht, um größere Projekte lange Zeit durchzuziehen. Ich bringe eigene Ideen ein, aber wir covern auch Songs.

Was covert ihr?
Wir haben zum Beispiel einmal System of a Down gecovert. Allerdings in einer etwas ruhigeren Version.

Begreifst du dich als Band-Mensch?
Es ist beides. Songs schreiben und ausprobieren finde ich alleine besser. Das Gefühl, dass die Musik, die ich mache richtig geil ist, habe ich aber nur, wenn ich mit anderen Leuten zusammen spiele. Als Band hat man eine größere Power denn als Solokünstler.

Sind dein Stil und der Stil deiner Band sehr ähnlich?
Das versuche ich. Wir haben aber alle sehr unterschiedliche Vorstellungen, in welche Richtung es gehen soll. Die einer ist eher poporientiert, die andere rock- und metalorientiert. Ich mag eher Folk und Singer-Songwriter.

Bei welchem Workshop willst du während des Treffens junge Musik-Szene mitmachen?
Ich möchte auf jeden Fall beim Songnavigator-Workshop mitmachen, in der Hoffnung, die unglaublich vielen Songs, die ich nie zu Ende schreibe, irgendwann einmal fertig zu bekommen.

Du sagst, du möchtest konventionelle Floskeln verlassen und neue Metaphern oder Bilder erschaffen.
Ich finde, dass in der modernen Chartmusik sehr viele Floskeln wie „I love you. Come back. I miss you so much.“ verwendet werden. Ich kann gar nicht nachvollziehen, wie man das immer noch gut finden kann. Tatsächlich bin ich immer noch auf der Suche, wie ich einen Songtext schreiben möchte.  Man wird wahrscheinlich nie fertig mit dieser Suche. Ich versuche aber immer, Sätze zu schreiben, die noch nicht so oft verwendet wurden.  Ich bin auch ein großer Fan von Füllwörtern in Songs. Manche würden sagen, es täte dem Stil nicht gut, aber ich finde, Füllwörter sind total ehrlich.

Wir machen jetzt erst einmal einen Verdauungsspaziergang.
Morgen gibt es Marie Diot und Simon Benjamin bei Solos for Supper

Fotos: Dave Großmann