Solos for Supper I –
Jonny Bix Bongers und Cathy
im Interview

Jonny Bix Bongers

  Foto: Aline SauerWie gehst du an einen Song heran?
Ich bin niemand, der einen Text schreibt und dann in den Proberaum hüpft und sagt: „Hier ist der Text, und der wird jetzt verklanglicht.“ Ich versuche immer, zwei Sachen parallel zu machen. Auf der einen Seite eine Geschichte zu erzählen und eine Idee zu malen und das auf der anderen Seite mit einer Melodie zu verbinden. Das sind aber keine getrennten Prozesse.

Du betonst, dass deine Texte  deutsch sind?
Ich finde, es ist eine größere Herausforderung einen deutschen Song zu schreiben. Jeder, der einen deutschen Text hört, wird dir die Zeilen – vor allem die schlechten – um die Ohren hauen. Alles, was man sagt, jede Metapher, wird am Ende gegen dich verwendet. Ich habe viel Spaß dabei, mit Sprache zu experimentieren. Deutsch eignet sich dafür besser, weil man sich schneller und direkter verständigen kann.

Findest du, dass Leute englische Texte unreflektierter hören?
Ich glaube, Englisch ist phonetisch gesehen die schönere Sprache.

Warum hast du dich bei tjm beworben?
Ich glaube, dass es hier einen schönen Austausch von Leuten gibt, die sehr unterschiedliche Musik machen. Man schaut über den Tellerrand: Wer ist unterwegs? Wo geht die Reise hin? Ich bin ein großer Fan von Kooperation.

Du hast auch eine Band.
Ich spiele dieselben Sachen alleine und mit der Band. Wir arbeiten zusammen einfach an einer größeren Version. Es gibt noch eine E-Gitarre, ein Schlagzeug und einen Kontrabass. Der Text bleibt trotzdem im Vordergrund.

Seid ihr nur in Hamburg unterwegs?
Meine Band wohnt ziemlich verteilt. Die sind aus Weimar, Berlin und Osnabrück.

Wie schafft ihr es, dass ihr zusammen Musik machen könnt?
Mit einem guten Doodle-Kalender. In zwei Wochen gehen wir ins Studio in Osnabrück. Wir arbeiten immer projektorientiert zusammen. Ich mache auch alleine Gigs oder zu zweit mit einem Drummer, am liebsten zu viert. Für unterschiedliche Anlässe gibt es unterschiedliche Kombinationen.

Du hast mal Punkrock gemacht. War das eine Jugendsünde?
Nö, gar nicht. Das war schrabbelig, das war garage. Man sagt ja, es gebe diese Garagensongs. Aber wir haben wirklich in einer geprobt. Das war total cool. Ich wollte aber mehr Musik machen, als nur bis zum Abitur, und dann gehen alle irgendwo studieren. Ich habe dann alleine weiter gemacht und habe gemerkt, dass mir das Erzählen wichtig ist. Und da ist Punkrock dann manchmal ein bisschen zu einseitig. Wir spielen in der Band auch unterschiedliche Stile. Aber ich glaube, dass es wichtig ist, dass es Variabilität in den unterschiedlichen Songs und Erzählungen gibt.

Wie schafft man das?
Mit unterschiedlichen Arrangements. Dass man schaut, was der Text sagt, welche Geschichten dahinter stecken. Ich schreibe die Texte, und manchmal sind es Erzählungen oder Geschichten, die etwas Autobiographisches haben. Das wollen wir aber auch zusammen verarbeiten. Dass wir uns als Band den Text gemeinsam anschauen, und ich versuche zu erklären, wo die Reise hingehen soll.

Cathy

  Foto: Cathy Wie bist du zu deinen Instrumenten gekommen?
Ich wollte immer Musik machen und hauptsächlich Sängerin werden, weil ich mir gar nicht vorstellen konnte, Instrumente zu spielen. Als ich dann die ersten Singer-Songwriter kennengelernt habe, war aber der Wunsch da, auch auf diese Weise meine Geschichte erzählen zu können.

Wer inspiriert dich?
Ed Sheeran. Obwohl man seine Art, Musik zu machen in meinen Songs nicht unbedingt wiederhört. Es gab noch andere Künstler, aber er war auf jeden Fall der Anstoß zum Gitarrelernen.

Du spielst auch Klavier.
Ja, ich habe vor Kurzem angefangen, Unterricht zu nehmen. Ich habe mir zuerst selbst etwas beigebracht, aber ich habe festgestellt, dass ich nicht weiterkomme, wenn ich nicht die klassische Grundlage dafür habe.

Gitarre hast du dir auch selbst beigebracht. Wie macht man das?
Man sucht sich ein Lied raus, das einem gefällt und möglichst einfach ist. Einfache Drei-Akkorde-Lieder. Dann lernt man die Akkorde auswendig und so entwickelt sich das immer weiter.

Hast du genug Geduld, dir das Gitarrespielen selbst beizubringen?
Ich habe mich in der Gitarre einfach wiedergefunden. Es ist auch wirklich das Einzige, wozu ich bisher immer richtig Elan hatte.

Bist du eher ein Solo-Typ?
Ich habe noch nicht so viel Erfahrung mit Live-Auftritten oder damit, mit anderen Leuten, was zusammen zu spielen. Erste Erfahrungen habe ich letzten Dezember in der Singer-Songwriter-Werkstatt der Landesmusikakademie Wolffenbüttel gemacht.
Diesen Herbst wurde ich mit einem Song für die Factory ausgewählt, eine Art Popstipendium.  Der Song wird jetzt mit Studiomusikern (Thorsten Wingenfelder, Gunter Papperitz, Bela Brauckmann, Stephan Gade) aufgenommen. Ungefähr an Weihnachten ist der Song dann fertig gemixt.

Wie ist es, nicht mehr alleine zu spielen?
Zu sehen, wie andere Musiker in deinen Songs aufgehen, sie interpretieren und eigene Instrumente einbringen, ist schon sehr überwältigend zu sehen.

Könntest du dir dann mittlerweile vorstellen, in einer Band zu spielen?
Was ich mir wünsche, wäre, Musiker zu finden, die mich in einem intimen Rahmen begleiten. Vielleicht einen Drummer und einen Bassisten, wie z. B. bei Ben Howard.

In deiner Selbstdarstellung schreibst du, dass deine Zuhörer ihre eigene Geschichte in deinen Songs wiederfinden sollen. Wie machst du das möglich?
Eine Geschichte erzählen, die nicht so explizit ist. So kann jeder Bruchteile von sich selbst finden

Morgen gibt es bei Solos for Supper Freund von Anton und Ole Riebesell im Interview. Das Essen wird kalt. Bis später.

Foto Jonny Bix Bongers: Aline Sauer
Foto Cathy: Privat