Söhne wie wir:
Modern Family Life

Das gestrige Lehrstück zum Thema „Eindimensionalität in Darstellungen klassischer Familienkonstrukte. Was sind klischierte Rollenbilder – und wie erkenne ich sie?“ war ein voller Erfolg.

Ich fasse zusammen: Also es geht um Söhne™ und Mütter™. Nicht um Söhne und Mütter, sondern um Söhne™ und Mütter™, weil die dargestellten Figuren so eindimensional und einander gleich sind sowie jedes gesellschaftliche Stereotyp reproduzieren, das man so finden kann, dass sie zu Abziehbildern zum Sammeln und Weiterverschenken werden.

In der Konzeption des Stückes wurde wahrscheinlich richtig hart über Mütter™ gebrainstormt und welches Bühnenbild gut dazu passen könnte, bis irgendjemand auf die zündende Idee kam, einfach Waschmaschinen, Mikrowellen und Küchenherde aufeinanderzustapeln.

Die deepe Problematik der Mutter™-Sohn™-Beziehung sieht ungefähr so aus: Also die Söhne wollen zum Beispiel so gerne frei und selbstständig sein, aber das können sie nicht, weil Mami ihnen ständig Brote mit Nutella schmiert, ihnen Insektenspray einpackt und Winterjacken kauft! #sadmaletears

Die Muttis machen alles für ihre Söhne (in erster Linie natürlich Repro- und Care-Arbeit) und hängen wie Kletten an ihnen, weil sie emotional abhängig sind, kein eigenes Leben haben und außerdem wollen, das alles so bleibt wie es ist. Also klar, der Mann™ sagt auch, man solle die Söhne gehen lassen. Aber die Mutti ist eben ziemlich needy nach Bestätigung von ihren Söhnen und deswegen emotional manipulativ.

Beim gemeinsamen Wäschezusammenlegen (eine wunderbare Tradition, Donna Reed hätte sich gefreut!) denken die Muttis dann darüber nach, warum ihre Söhne so unfrei sind und nichts alleine machen. Hmm… Ideas?? Anyone??

Die Muttis kommen zu dem Schluss, dass bestimmte Sachen einfach in der Natur™ der Männer™ liegen. Und dass es auch wichtig ist, den Mann einen Mann™ sein zu lassen.

Flacher als die Mecklenburgische Seenplatte. Inhalte, die Mario Barth selbst nicht besser hätte formulieren können.

Weil das so schrecklich ist, begehren die Söhne auf, indem sie Chips rumschmeißen und Sofas auseinandernehmen. #realrebels
Dann kommen die DT-Techniker, achso nein, ‘tschuldigung, die Mamis auf die Bühne, und räumen alles wieder auf.

Manchmal haben die Söhne aber schon auch ein schlechtes Gewissen…hmmm :((. Dann überlegen sie was man alles dagegen machen könnte: Alkohol trinken, Musik hören? Nein, man muss sich schon entschuldigen – dann sagt die Mami „Das ist aber lieb!“ und alles ist friedefreudeheiapopeia. :)).

Generell sind die Söhne einfach auch richtige Frauenversteher™. An der richtigen Stelle ein Kompliment, oder ein kitschiges Gedicht, und jede Frau™ ist sofort beglückt! #Puttingthekindinmankind

Um herauszufinden, wie es Da-Draußen™ in der echten Welt so ist, klettern die Söhne auf einen Berg. Hier ist Frauen™-freie-Zone und die Söhne werden endlich nicht mehr so genervt und unterdrückt!

Wenn die Söhne unter sich sind, verbringen sie natürlich ihre Zeit damit, gesellschaftlich gefordertes Macker-Verhalten zu üben. Hier die originellsten Jungs™-Fantasien: “Dann schicke ich einfach meine Schwester zum Einkaufen, bestelle mir Chili bei Mama und beobachte Mädchen an der Haltestelle.”

Wenn der Sohn von seiner Expedition wieder nach Hause kommt, fragt die Mutti natürlich gleich, ob sie seine Wäsche waschen kann und mummelt ihn liebevoll in eine Decke ein.
Sowieso üben die Muttis massiven emotionalen Druck auf ihre Söhne aus. Eine Mutti gesteht wortwörtlich: „Ich möchte gerne, dass er ab und zu mal anruft. Ich würde gerne seine Stimme hören.“ #HARDCORE #gehthaltgarnicht

Die Jungs machen wieder eine Actionszene mit Schwertkampf (Im Text wurde zwar eigentlich gesagt, dass die Mutter einem Schaukelpferd den Kopf abschlägt, aber was soll’s – sieht einfach cooler aus, wenn die Boys ‘ne geile Choreo hinschmeißen).

Interessant ist auch, wann das Publikum besonders laut mitgrölt. Hier eine kleine Kontextualisierung der lustigsten Momente des Abends:
Besonders laut wird gelacht, als ein Sohn auf dem Berg steht und an einer Stelle die, ich nenne sie jetzt mal, “Oh-Snap” bzw. “Oh-No-You-Didn’t”-Fingerbewegung macht. Dieser Gestus hat eine Identitätssymbolik vor allem schwarzer Frauenkultur in den USA, die für unter anderem genau diesen Habitus Abwertung erfahren. Und dann, haha, Mackertum ist natürlich am allerlustigsten bei Kindern:
Als 6-jähriger werden „5-jährige Weiber“ geklärt. Ein kleiner Pezel übt protzige Posen. LOL.
Dann werden noch kurz dicke Jungs gebasht: als uncoole Freunde, deren Fahrräder man kaputt macht.. rofl!
Und die Kung-Fu-Mutter auf der Bühne! Die Frau mit koreanischer Herkunft spielt natürlich den #hollywoodasianstereotype und erzählt ein konfuzianisches Sprichwort.

Aber halt!!! Das ist natürlich alles selbstironisch gemeint!!! Das ist nicht die bloße Reproduktion von Klischeescheiße, um Lacher zu erzeugen!!!11! Deswegen gab es ja dann am Ende diesen großen ironischen Bruch, wo plötzlich die Erzählung sich geändert hat und eine weitere Ebene aufgemacht wurde…NOT.