Biennale Tanzausbildung:
Selfie Nr. 9 –
David Attenberger

Für David, der 2016 mit Stück01 am Tanztreffen teilnahm, war lange Zeit klar, dass er Schauspieler werden will. Nach dem Abitur entschied er sich aber dazu, erst einmal ein Studium der Soziologie und Politikwissenschaft aufzunehmen. Insofern passt das Motto der Biennale – Dancing in the Street. Was bewegt Tanz? – ganz gut zu ihm. Am letzten Tag der Biennale geht es für ihn um die Frage: Wie macht man ein gutes politisches Stück?

Selfie: David Attenberger

Ein gutes politisches Stück macht man meiner Meinung nach, indem man sich zuerst mal wirklich gut mit dem Thema auseinandersetzt, das man angehen will. Vielleicht ist das eine ein bisschen zu rationale Perspektive auf Kunst, die politisch sein möchte, aber ich bin der Meinung, dass alles, was man tut, eine ganz andere Glaubwürdigkeit bekommt, wenn man Ahnung von der Materie hat, wenn man ein Wissen hat, das über künstlerische Ausdrucksformen hinausgeht. Das Stück von Julian Warner und Oliver Zahn, das wir gestern Morgen gesehen haben, das hatte politische Aussagekraft. Für mich war das überzeugend. Weil man gemerkt hat, dass die beiden sich richtig mit ihrem Thema auseinandergesetzt haben. Dass sie sich nicht einfach dachten: So, machen wir mal ein politisches Stück. Sondern dass sie geguckt haben: Mit welchem politischen Kontext wollen wir uns auseinandersetzen? Was wissen wir darüber, was können wir darüber herausfinden? Und dann: Wie verpacken wir das in ein Stück? Das ist für mich eine richtige Reihenfolge.

Natürlich muss am Ende nicht ein Stück rauskommen, das versucht, möglichst wertfrei zu sein. Bei der Inszenierung gestern war das ja so. Aber ich glaube, hier kommt es dann darauf an, wie man sich selbst als Künstler*in versteht: Möchte man eine politische Aussage in eine bestimmte Richtung treffen oder möchte man politische Sachverhalte auf eine Bühne bringen und mit ihnen arbeiten? Dazwischen gibt es schon Unterschiede. Jede Person, die Kunst mit politischer Aussagekraft machen möchte, muss sich da jedes Mal entscheiden. Beides ist valide, und ich mag beides.

Manchmal finde ich aber, dass es spannender ist, wenn man mit Aussagen spart und die Sachverhalte Sachverhalte sein lässt. Allerdings denke ich auch, dass das schwieriger ist. Erstens, weil man dem Publikum die Wahl lässt. Das, was gestern auf der Bühne passiert ist, hat das Publikum in jedem Moment selbst entscheiden lassen, wie es die Dinge aufnimmt und was es davon hält. Und zweitens, weil man sich über den Zeitraum eines künstlerischen Prozesses ja fast immer irgendwie eine Meinung bildet. Diese Meinung dann nicht in das, was am Ende rumkommt, einfließen zu lassen, das ist für Menschen ganz schön schwer. Also für mich wäre das bestimmt schwer, weil ich mit Sicherheit jemand bin, der sich schnell – oft auch vorschnell – eine eigene Meinung bildet und diese vertritt.