Biennale Tanzausbildung:
Selfie Nr. 8 –
Lisa Hoffmann

Mit dem Stück Look at Me! wurde Lisa 2016 zum Tanztreffen der Jugend eingeladen. Jetzt ist sie wieder in Berlin, um zu tanzen und um anderen beim Tanzen zuzuschauen.

Ich könnte das Zuschauen vom Selbermachen gar nicht genau trennen. Ich finde, in einer Aufführung spiegeln sich Performer*innen und Zuschauer*innen immer ein Stück weit wider. Außerdem existieren Stücke, die sich genau mit dieser Situation beschäftigen. Die Kompanie, bei der ich in Bonn angebunden war, setzt sich zum Beispiel sehr stark damit auseinander. In den letzten Stücken hat CocoonDance immer wieder daran gearbeitet, das klassische Verhältnis zwischen Zuschauer*innen und Performer*innen aufzubrechen. Sie haben die Zuschauer*innen um die Tänzer*innen herum positioniert. Oder es wurden die Zuschauer*innen voneinander getrennt zwischen den Tänzer*innen platziert, sodass man nicht mehr genau zwischen Zuschauer*innen und Tänzer*innen differenzieren konnte.

Diese Ansätze entsprechen auch eher meinem Verständnis von Tanz. Ich finde, Tanz ist zunächst einmal nichts, was auf einer Bühne passiert. Tanz entsteht aus dem Menschen und hat seine Wurzeln in den lebendigen Bewegungen der Menschen. Schon Kleinkinder haben ein vielfältiges Tanzpotential. Ich glaube auch, dass das eine Vorstellung von Tanz ist, die mittlerweile an ganz vielen Hochschulstandorten in Deutschland geteilt wird. Da geht es oftmals ja auch nicht mehr nur darum, spezifische Tanztechniken zu erlernen. Stattdessen wird anvisiert, ganz vielfältige Impulse zu setzen und die Studierenden aus sich selbst schöpfen zu lassen.

Selfie: Lisa Hoffmann

Dennoch hinterfrage ich manchmal schon, ob man nicht trotzdem durch die drei oder vier Jahre, die man an einer Hochschule verbringt und in denen man ja nicht nur körperlich explizit geschult wird, ein bisschen das verliert, was in einem selbst tanzt. Es ist wichtig, seinem eigenen Weg zu folgen und nicht nur den Horizont auf die eigene Hochschulinstitution zu setzen, sondern sich kontinuierlich zu bemühen, den eigenen Blickwinkel zu weiten. Zum Beispiel, indem man externe Workshops besucht. Oder sich komplett konträre Inspiration sucht. Ich habe zum Beispiel eine Freundin, die Tanz in Köln studiert hat und nun ein großes Interesse daran hegt, eine Feuerwehrausbildung zu machen. Eben um ihre tänzerische Praxis mit noch etwas anderem zu verknüpfen.

Natürlich bleibt dann doch die Frage, inwiefern eine Hochschulausbildung überhaupt die größte Relevanz haben sollte. Gerade wenn da so ein Verständnis von Tanz ist, wie ich es habe. Ich fühle in dieser Hinsicht selbst Unentschlossenheit. Ist man erst eine Tänzerin, weil man ein Hochschulstudium durchlaufen hat, oder ist man es, weil es einem angeboren ist?