Biennale Tanzausbildung:
Selfie Nr. 6 –
Emilie Pesch

Kurz war Emilie letztes Jahr in Berlin, um mit dem Stück KörperPoesie am Tanztreffen der Jugend teilzunehmen. Dann ging es für sie gleich weiter: Seit ihrem Abitur vor zwei Jahren reist sie um die Welt – mit kleinen Pausen zwischendrin, um sich durch Kellnern das Geld fürs Reisen zu verdienen. Möchte sie irgendwann zur Ruhe kommen?

Selfie: Emilie Pesch

Das Reisen war immer mein Traum. Wenn man mich früher gefragt hat, was ich für einen Job machen will, dann habe ich immer gesagt: In erster Linie einen, der mir genug Möglichkeiten zum Reisen bietet. Mittlerweile ist mir natürlich schon bewusst, dass diese Vorstellung ein bisschen realitätsfern ist. Ich weiß, dass man nicht immer unterwegs sein kann. Aber ich kann mich nicht ganz von dieser Idee befreien. Ich möchte immer auf dem Sprung sein. Für mich ist es schwierig, mich auf etwas festzulegen und bei etwas zu bleiben. Ich glaube, ich mag Reisen so gerne, weil es dabei kein richtiges Ziel gibt. Man ist für einige Zeit an einem Ort, aber zieht dann auch wieder weiter. Dieses Herumziehen charakterisiert mich. Es gibt so viele Sachen, die ich toll finde, und ich habe zu viel Angst, dass ich mich für die falsche Sache entscheide. Klar, keine Entscheidung verpflichtet auf Ewigkeit. Mir ist schon bewusst, dass man, nur weil man sich etwas fest vorgenommen hat, nicht automatisch für immer darauf festgelegt ist. Trotzdem kann ich mich nicht dazu aufraffen, eine Entscheidung zu treffen und mir ein Ziel zu setzen. Wenn ich mich jetzt reinhänge, jeden Tag trainiere und für ein Tanzstudium angenommen werde, mir aber dann das Studium doch nicht gefällt – was mache ich dann?

Aus Angst und vielleicht auch aus Bequemlichkeit sage ich also andauernd: Ach, ich weiß nicht, was ich machen soll! Hier auf der Biennale denke ich die ganze Zeit daran, wie toll Tanzen ist, und dass ich auf jeden Fall tanzen möchte. Aber so, wie ich mich kenne, brauche ich nur in ein Museum zu gehen, und dann fange ich an zu denken: Ich möchte auf jeden Fall Kunst machen! Und wenn ich dann ein Theaterprojekt mache, heißt es sofort: Ich muss auf jeden Fall Schauspielerin werden! Ich lasse mich schnell von Sachen begeistern, und gleichzeitig bin ich bislang noch auf nichts gestoßen, von dem ich denke: Das ist das Eine, das und nichts anderes!

Ein bisschen hoffe ich immer noch darauf, dass ich eines Tages auf dieses Eine stoßen werde. Aber mir dämmert auch mittlerweile, dass es letztlich eine Frage meiner Gesinnung ist. Das Eine wird nie zu mir kommen. Ich muss mich einfach selbst dazu entscheiden, es zu dem Einen zu machen. Ich muss einfach eine Sache durchziehen, ohne nach zwei Tagen direkt Panik zu bekommen und darüber nachzudenken, ob ich mir nicht mit meiner Entscheidung andere Möglichkeiten verbaut habe.