Biennale Tanzausbildung:
Selfie Nr. 4 –
Jean-Claude Kanga

Mit dem Stück KörperPoesie wurde Jean-Claude letztes Jahr zum Tanztreffen der Jugend eingeladen. Er ist eigentlich ein versierter Hip-Hop-Tänzer, der nicht vor hartem Training zurückscheut. Nach dem dritten Tag der Biennale Tanzausbildung merkt er allerdings, dass sechs Stunden Training am Tag doch ganz schön schlauchend sind.

Selfie: Jean-Claude Kanga

Nach drei Tagen fühle ich mich schon sehr, sehr kaputt. Körperlich bin ich an einem Punkt, wo ich lange nicht mehr war. Gestern, beim Workshop mit Jarra, als wir da für zehn, zwanzig Minuten springen mussten, war ich zwischenzeitlich wirklich fast am Ende: Ich schwitzte, meine Beine und Arme waren wie tot, ich musste mich pushen, dass ich noch bis zum Schluss durchhalte. Und heute bin ich richtig kaputt. Aber es ist eine gute Form von Kaputtsein. Denn die ganzen Sachen, die ich in den letzten zwei Tagen gemacht habe, waren alle sehr interessant. Das, was ich gemacht habe, war ja nicht einfach irgendein Work-Out. Ich habe viele neue Techniken gesehen und ausprobiert. Ich tanze eigentlich Hip-Hop, und wenn ich zuhause trainiere, konzentriere ich mich auch nur darauf. Das, was ich hier auf der Biennale mache, sind für mich alles neue Sachen und dementsprechend auch ganz schön herausfordernd. Ich denke aber, dass ich da vieles mitnehmen und in meinen eigenen Tanz einbringen kann. Ich probiere einfach alles aus.

Die Disziplin, mit der alle hier arbeiten, ist ziemlich bewundernswert. Und sie ist auch gut und richtig. Die brauchst du einfach, um etwas zu erreichen. Wenn du ein Ziel hast, muss du eben dranbleiben und hart dafür arbeiten. Nur manchmal ist es auch wichtig, es nicht zu übertreiben. Es ist auch wichtig, dass man weiß, wann der Körper eine Pause braucht. Man muss sagen können: Das ist jetzt zu viel für mich und ich muss mich nicht dazu zwingen. Ab und zu muss man auch mal ausruhen, andere Sachen machen, abschalten. Heute früh bin ich zum Beispiel nicht zum Morgentraining gegangen. Ich habe mir gesagt: OK, Jean-Claude, dein Körper braucht jetzt eine Auszeit, damit er später noch genug Kraft hat. Ich war dann ein bisschen für mich, habe Musik gehört und ein bisschen gechillt. Und jetzt bin ich bereit für den Nachmittagsworkshop.