Biennale Tanzausbildung:
Selfie Nr. 3 –
Eh-Jae Kim

2015 zog es Eh-Jae nach Berlin. Zum einen, weil sie mit dem Stück Tantalos zum Tanztreffen der Jugend eingeladen war. Zum anderen aber auch, weil sie in Berlin ihr Studium aufnehmen wollte. Seit Herbst 2015 studiert Eh-Jae an der FU Berlin Theater- und Filmwissenschaft. Hat sie sich damals bewusst gegen ein künstlerisches Studium entschieden?

Als ich mit der Schule aufgehört habe, hatte ich eigentlich nicht so wirklich viel praktische Erfahrung. Für mich hat sich – auch weil alle aus meinem Umfeld eine akademische Karriere eingeschlagen haben – daher einfach ein wissenschaftliches Studium als naheliegender erwiesen. Im Nachhinein denke ich, dass es für mich ganz einfach eine Hemmschwelle gab, ein künstlerisches Studium aufzunehmen. Schon wenige von denen, mit denen ich gemeinsam auf der Schule war, haben ein geisteswissenschaftliches Studium aufgenommen. Außerdem haben mir einige auch gesagt, dass ich im Grunde schon viel zu alt bin, um eine tänzerische Ausbildung anzustreben.

Selfie: Eh-Jae Kim

Ich finde aber, dass das wissenschaftliche Studium definitiv eine Bereicherung war. Das wird mir erst jetzt so ein bisschen klar. Am Anfang hatte ich, weil ich ja  im Grunde doch in die künstlerische Praxis gehen wollte, sehr viele Schwierigkeiten mit der theoretischen Art der Auseinandersetzung, wie sie an der FU praktiziert wird. Zwischenzeitlich war ich aber auch an einer anderen Universität, wo das Studium zu 50 Prozent darin bestand, künstlerische Projekte zu realisieren. Da hatte ich aber auch das Gefühl, dass die Wissenschaftlichkeit darunter leidet, dass der Fokus irgendwie in der Mitte zwischen einer wissenschaftlichen und einer künstlerischen Betrachtung liegt. Mittlerweile denke ich, dass es sehr interessant ist, sich auf eine diskursive Art, die nicht in einer künstlerischen Praxis verordnet ist, mit Kunst zu beschäftigen. Das ist definitiv auch für jemanden, der selbst Kunst machen möchte, eine Bereicherung. Ich glaube, dass man dadurch einfach mehr Überblick gewinnt.

Ob ich nach diesem Bachelorstudium noch ein wissenschaftliches Masterstudium dranhänge, weiß ich noch nicht. Ich bin ja auch hier, um herauszufinden, was für mich in Frage käme. Ich glaube, dass Kunst und Wissenschaft sich nicht unbedingt ausschließen. Gerade im Bereich Theater gibt es ja viele, die beides kombinieren. Das möchte ich auch gerne. Auch wenn ich zurzeit denke, dass ich mich gerne mehr in die Richtung einer eigenen künstlerischen Praxis entwickeln möchte, will ich auf lange Sicht auf keinen Fall die Wissenschaft hinschmeißen.