Biennale Tanzausbildung:
Selfie Nr. 2 –
Josephine Wittenbröker

Josephine ist die einzige in unserer Gruppe, die nicht mit einem Stück oder als Teil eines Ensembles an einem Tanztreffen der Jugend teilgenommen hat. Stattdessen gehört sie zu einer Gruppe von Studierenden, die letztes Jahr zusätzlich zu den ausgewählten Ensembles zum Tanztreffen eingeladen wurde. Auch ansonsten sticht Josephine ein bisschen aus der Gruppe hervor. Wer von den anderen könnte schon von sich behaupten, eine eigene Tanzschule zu besitzen?

Wenn man Tänzerin ist, denkt man schon hin und wieder daran, wie man manche Sachen selbst machen würde. Ich habe an sehr vielen verschiedenen Einrichtungen schon viel Unterschiedliches erlebt. Und ich habe mich natürlich schon oft gefragt: Wie würde es aussehen, wenn das alles meins wäre, wenn ich die Schule leiten würde? Trotzdem ist es nicht so, dass ich mir mit meiner eigenen Tanzschule einen lang gehegten Traum verwirklicht hätte. Dass ich diese Schule leite, dazu ist es durch einen totalen Zufall gekommen. Mich haben einfach Leute angerufen und gefragt, ob ich das machen möchte. Eine alte Ballettlehrerin hatte aufgehört, und sie haben jemanden gesucht und sind auf mich gestoßen.

Selfie: Josephine Wittenbröker

So ist es also dazu gekommen, dass ich nun für diese Schule verantwortlich bin. Ich mache da alles: Ich unterrichte ganz viel, ich mache die Werbung, mache die Buchhaltung, rede mit allen Kund*innen, muss alle Anmeldelisten pflegen, muss Lehrer*innen suchen, einstellen, schauen, wie die Kurse laufen, immer kontrollieren, wer bezahlt hat. Es ist unglaublich viel Arbeit. Aber es macht auch Spaß. Und ich freue mich darüber, dass ich selbst darüber bestimmen kann, welche Prinzipien dem Unterricht zugrunde liegen. Für mich ist ganz klar: Wichtig ist, dass man sich gesund bewegt. An einigen Ballettschulen wird das leider immer noch vernachlässigt. Außerdem möchte ich andere Unterrichtsformate entwickeln. Es soll nicht nur diesen alten Frontalunterricht geben, bei dem der Lehrer oder die Lehrerin etwas vormacht und alle das nachmachen und am Ende dann alle das Gleiche können. Das ist leider noch viel zu oft gang und gäbe. Ich hätte es gern, wenn im Unterricht jede Person für sich herausfinden kann, was der eigene Körper macht und was er mag. Es soll darum gehen, dass man das weiter ausarbeitet, was man mitbringt und was einem liegt, die eigenen Bewegungen findet. Diese eigenen Bewegungen zu entwickeln, ist nicht nur etwas für Profitänzer*innen. Auch jede*r Anfänger*in kann das tun.

Für mich ist es gerade total interessant, hier zu sein und mitbekommen zu können, wie die unterschiedlichen Hochschulen Tanz vermitteln. Ich nehme da sehr viel mit, sowohl für meinen eigenen Unterricht als auch für meine Forschung – ich studiere ja zurzeit an der Sporthochschule Köln und beschäftige mich da auf theoretischer Ebene mit Tanzvermittlung.  Was hier total deutlich wird – und das war mir natürlich schon vorher bewusst – ist, dass die Art der Vermittlung stark davon abhängt, was man unter Tanz versteht. Ob es zum Beispiel darauf ankommt, dass der Körper eine bestimmte Form beschreibt, oder ob es darum gehen soll, neue Impulse für Bewegung zu finden.