Salam, Shalom:
Wie geht es jetzt weiter?
Musik!

Auftaktstück ist Auftaktstück. Innerhalb unserer beispielhaften Auswahl von acht Theaterstücken gibt es eine dramaturgische Argumentation, die begründet: Dieses Stück nun zuerst. Dies ist der Vorzeige-Aperitif. Die Frage ist doch: Wie hat es gemundet?

Das Theater mobil hat seinem Namen zum Trotz zu Beginn an proklamiert: Wir bleiben! Occupy festival! Mit den Schlafsäcken im Halbkreis auf der Bühne hat man sich dann präsentiert: Variationen des Typus eines politisch engagierten Jugendlichen. Während einige der Zuschauer interessiert einer scheinbaren Genese des Projekts gelauscht haben, haben sich die andere gefreut, juhu, meta! Ein vielversprechendes Potential an Spiel-Möglichkeiten, ehrliche Mimesis, und das Nicken: Ja, solche Menschen gibt es, das beschäftigt die.

Die Frage ist doch: Wieso musste dieser Ansatz scheitern? Er musste scheitern in dem Moment, in dem die Bühne zur Bühne und die Zuschauer zu Zuschauern wurden; in dem Moment, in dem Sein und Spiel getrennt wurden; in dem Moment, in dem ein Schauspieler aus dem Publikum heraus befohlen, als palästinensischer Gast übertrieben getätschelt und als Requisit abgesetzt wurde. Von da an beobachten wir die Metamorphose des scheinbar engagierten Teams zu verschiedensten und verschieden ausdifferenzierten Individuen. Eine Jugend, die sich nicht hinsichtlich der Lösung eines unfassbaren Konflikts engagiert sondern hinsichtlich der Losung ihrer Identität. Und plötzlich agieren die Schauspieler innerhalb von Rollenentwürfen, bei denen man sich zu gut vorstellen kann, wie sie im gemeinsamen Dialog entstanden sind. Eine Szene reiht sich à la freie Assoziationskette an die andere. Und wenn dann die Gefahr der Aussage- und Handlungslosigkeit droht, fragt irgendeine unschuldig: »Wie geht’s weiter?«

Meistens mit einem beeindruckenden Lied. Hier entsteht eine Konstanz: Ebenso wie der Konflikt wird auch die Musik von ihrem eigentlichen Gehalt entfremdet. Beeindruckt sind wir von den Talenten der Schauspieler, aber unbeeindruckt vom dramaturgischen Einsatz dieser. Eine Schwebe zwischen absichtsloser und absichtsvoller Politikunbedeutsamkeit. Die Fragen sind gestellt. Wie geht es jetzt weiter?

Foto: Dave Großmann