Sag mal SWAG

Nach den harmlosen Flirtereien am ersten Abend in Berlin wird es heute ernst: Die Leseproben stehen an.  Auf der Seitenbühne des Festspielhauses ist es kalt, alle sind ernst und vorne spricht einer „wie ein Prediger, der irgendwas genommen hat“. Techniker schlurfen durch die Stuhlreihen, Preisträger*innen schlürfen Kaffee. Auf der Bühne werden Riesenkisten auf- und wieder zugemacht, Torfleichen wiederbelebt und jemand steht im Mittelpunkt rum. Wir lernen, die Kategorien Werk und Autor*in zu trennen: „Das liegt bestimmt am Text, da kannst du nichts dafür.“ Und manchmal ist ein Text so kompliziert, dass man ihn nicht sinngemäß betonen kann, sondern man betont ihn einfach, weil man ihn betonen will. Zuckermangel im Blut und so. Klingt nach harter Kritik, aber „der Text hält das aus“.  Und eigentlich ist das ja toll.