Romeo und Julia:
Theater übers Theater

Die Inszenierung von Romeo und Julia unterbricht sich schon nach wenigen Sekunden: „Ja, sorry Leute, aber ich kann das nicht. Ich kann nicht so ne Scheiße spielen.“ – „Mich interessiert auch grad was anderes.“ Der Parkaue-Club inszeniert den Streit um die Inszenierung, und macht dabei mehr als ein postmodernes Standardprogramm. Da wird nicht einfach nur deshalb dekonstruiert, weil man es kann. Die jungen Berliner spielen bewusst mit bestimmten Erwartungshaltungen an das Jugendtheater und bringen das Publikum über die ganze Inszenierung hinweg zum Lachen. Nach einer guten halben Stunde ist alles vorbei, und es fühlt sich nicht an, als würde etwas fehlen.

Der Witz beginnt schon im Programmheft. Da erwartet uns ein Text, der alle Klischees eines durchschnittlichen und langweiligen Jugendtheaters erfüllt: „Julia verliebt sich in Romeo und Romeo verliebt sich in Julia… Geprobt wurde ab Oktober.“ Das klingt öde und nach genau den Konventionen, die später aufs Korn genommen werden. Auf der Bühne heißt es dann ironisch: „Romeo und Julia, das ist ein No-Go-Theaterstück, jeder Jugendclub hat das schon gespielt! Wenn man es dann schon spielt, muss man es wenigstens besonders ernst nehmen.“

Tatsächlich ist das Stück besonders ernst, nämlich: ernsthaft ironisch. Das heißt, es ist mit einer Ironie gespielt, die nicht einfach nur ihr Gegenteil meint, um irgendetwas anzuprangern. Es ist eine Ironie, die nichts kritisieren oder befürworten will, sondern die einfach nur mit einem Augenzwinkern überrascht. So entsteht ein verspieltes Theater übers Theater.

Da gibt es zum Beispiel die typische Erwartungshaltung, dass ein gutes Jugendtheater die Jugendlichen in ihrer Entwicklung bestärken soll. Die Schauspieler treten also abwechselnd vors Mikro und erzählen, wie sie die Arbeit am Stück empfunden haben: „War echt ok.“ – „Klasse.“ – „Uns hat es voll viel gebracht.“ Das alles im schnellen Wechsel und völlig nüchtern vorgetragen, und dabei: urkomisch. Man merkt, dass die Gruppe prächtig harmoniert.

Dazwischen wird das Stück von Nonsens-Unterbrechungen gespickt, die wie ein lustvolles Ornament die Theater-Situation ad absurdum führen. Ohne den Fluss der Szene zu unterbrechen, ruft eine Figur: „Hä, was ist denn hier los??” Als hätte sie gerade völlig vergessen, wo sie sich befindet.

Am Ende heißt es: „Sorry, jetzt haben wir doch nicht Romeo und Julia gespielt. Wenn’s euch interessiert, könnt ihr ja den Text lesen. Oder kauft euch den Film, der ist voll ok.“ Das Publikum kann sich vor Lachen kaum halten, die Schauspieler zucken nicht mit der Wimper. Nicht der Inhalt war das entscheidende, vielleicht hätte auch irgendein anderer Klassiker die Grundlage für das Stück bieten können. Trotzdem ist das Stück keinesfalls beliebig. Der Parkaue-Club hat seine ganze Spielfreude auf die Bühne gebracht, und das ist eine Spielfreude, die so groß ist, dass sie keine besonderen Inhalte braucht, um leichtes und spritziges Theater über das Theater zu machen. Und dabei wunderbar zu unterhalten.

Foto: Dave Großmann