Romeo und Julia:
„Ist Liebe das,
was ich jetzt fühle?“

Wenn auf dem Theatertreffen der Jugend „Romeo und Julia“ auf dem Spielplan steht, dann ist natürlich von vornherein klar, dass es sich dabei nicht um die konventionellste und drögeste Klassikerinszenierung der Welt handeln wird. Und trotzdem kann das Ensemble vom Parkaue-Club 4 noch überraschen.

Denn es geht ihnen gar nicht darum, den altbekannten Stoff irgendwie neu und funky zu inszenieren, auch nicht darum, eine eigene Version zu schreiben, es geht um keine noch so ferne Adaption – es geht nur um einen Ausgangspunkt. Um einen Ausgangspunkt für ein pointiertes, witziges Stück übers Teenagersein, über die „Liebe, love, l’amour“ und vor allem – übers Theater. So kommentiert die Parkaue-Inszenierung ganz charmant und en passant Theaterpädagogik, Jugendtheater und deren Hang zu Eigenproduktionen, einfach Festivaldiskurs: Man könne „so ’ne Scheiße“ nicht spielen, denn „das hat doch gar nichts mit uns zu tun!“ Eine anderer lamentiert: „Für meine Zukunft bringt mir dieses Scheißdrecksstück rein gar nichts!“ Die nächste kontert: „Sei doch froh, dass wir ’nen richtiges Stück spielen, da kannst du dich wenigstens nicht blamieren!“

Am Ende soll es natürlich auch um Liebe gehen an diesem Abend, darum, dass Liebe blind macht, und darum, dass Liebe ganz schön vertrackt sein kann. Und auch hier bewegen sich die Berliner ironisch und treffsicher übers Plattitüdenminenfeld. Er fragt, ob sie gern schwimme, sie schwimmt gern, er fragt: „Darf ich dich mal ins Becken stoßen?“ „Oh Mann, Tobias, deine Sprüche sind so cool!“

Man hat viel Spaß an diesem Abend und findet fast keinen Moment uninteressant. Was das Parkaue-Ensemble dafür braucht? Weiße Hemden, Blümchenkleider, Taschenlampen, Papierherzchen, nicht viel mehr. Womit eindrücklich vorgeführt wird, wie man mit wenigen Mitteln viel produzieren kann, ganz ohne bombastisches Bühnenbild und Multimediashow. Und das ist doch auch mal schön zu sehen. Für alle, die die nächste Inszenierung im eigenen Wohnzimmer planen. Chapeau!

Foto: Dave Großmann