Road to ttj:
Von auf der Bühne
zu vor der Bühne –
ein Seitenwechsel

2009. 2012. 2013. Ich bin zum dritten Mal beim Theatertreffen der Jugend. 2009 fand es in der Wabe statt, 2012 im Haus der Berliner Festspiele. Wir wurden bewertet, für gut befunden und deshalb eingeladen. Wir standen auf der Bühne, spielten uns die Seele aus dem Leib und hatten Spaß.
Es ist üblich, dass nach jeder Vorstellung die anderen Stücke diskutiert werden. Im Nachhinein betrachtet, fühlt es sich so an, als sei ich damals nicht dazu fähig gewesen, neutral zu sein. Als ich in die Stücke ging, war ich unvorbereitet. Ich ließ mich überraschen. Aber gleichzeitig konnte ich die Stimme im Hinterkopf, die alles aus Sicht einer Mitbewerberin sah, nicht ausschalten. Da lief immer ein Band ab mit den Worten: Oh, hier ist die Geschichte lückenhaft. Wo ist die Energie? Warum reden sie nicht lauter? Wettbewerb gehört in diesem System dazu und auch wenn er ausgeschlossen wird, so bleibt er in unserem Kopf. Obwohl wir alle als Siegerinnen und Sieger eingeladen wurden, war da immer noch der Druck, die anderen und die FZ mit unserem Stück zu überzeugen. Andererseits hatte ich auch die Möglichkeit, mich einfach überzeugen und begeistern zu lassen. Ich lernte die anderen kennen, freundete mich mit ihnen an und konnte meine Parteilichkeit anders ausleben.

Nun sitze ich im Publikum. Ich werde diese Rolle nicht wechseln. Ich werde die Stückbeschreibungen und die Meinungen der Jury lesen, vielleicht sogar das eine oder andere Interview führen. Eine ganz andere Rolle mit ganz anderen Herausforderungen. Ich muss mit dem Druck fertig werden, andere mit gedruckten Worten zu bewerten. Frei Schnauze zu sagen, was mir gefallen und was mir nicht gefallen hat. Wie soll ich eine Bewertung verpacken, pädagogisch oder einfach ehrlich? Und wie werde ich in meiner neuen Rolle bewertet? Ich bin gespannt auf den Seitenwechsel.