Road to ttj 2012:
Träume vom Theater

Seit ich letztes Jahr im Sommer vom Theatertreffen der Jugend aus Berlin zurückgekehrt bin, habe ich davon geträumt.
Die guten Träume handelten davon, dass ich auf der Suche nach den Schauspielern des Abends über das Festivalgelände laufe, um ein Interview für die Festivalzeitung zu bekommen. Ich streunte durch den Garten der Berliner Festspiele, zum Lagerfeuer, zum Pavillon, zu den Zapfhähnen für die Fassbrause, durchs hell erleuchtete Festspielhaus – meinen Notizblock unterm Arm.

Aber es gab auch Alpträume. Ich träumte ganze Odysseen, die davon handelten, wie ich versuchte, pünktlich in den Theatersaal zu gelangen, aber dabei von den schwachsinnigsten Hindernissen aufgehalten wurde.
Manchmal war es ein Gedränge von abertausenden theaterbegeisterten Menschen, das mich hin und her, aber niemals zum Eingang schwemmte; manchmal versperrten mir Mauern den Weg zur Zuschauertribüne, die ich mit Vorschlaghammer und Meißel bearbeiten musste; manchmal irrte ich durch labyrinthartige Gänge, an Technik- und Requisitenräumen vorbei, umgeben von den aufmunternden Zurufen der Bühnencrew, dass ich nur noch um diese eine Ecke biegen müsse.
Wenn ich dann endlich zum Ziel kam, war es nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte: Einmal platzte ich unverhofft ins Bühnengeschehen und musste mich als Statist ausgeben. Ein andermal fand ich mich im Gestänge der Scheinwerfer über der Bühne wieder, und verfolgte das Stück wie eine barocke Skulptur von oben.

Allen Träumen gemeinsam war aber die Sehnsucht nach der Bühne und dem gelebten Moment, dem Schauspiel, das vor deinen Augen entsteht, dem Aufgehobensein in einem Festival unter Menschen, die miteinander eines teilen: die Leidenschaft für das Theater.
Kaum hatte ich mir im April die Auswahl des diesjährigen Festivals angeschaut, kamen auch die Träume wieder.
Aber nun hängen die verschwommenen Geschichten nicht mehr einem vergangenen Festival nach, sondern langen in Richtung eines neuen, das alles andere als verschwommen sein wird. Womöglich erfüllend, sicherlich rauschhaft, und dabei größer, voller, festlicher und sinnlicher als es ein Traum je sein könnte.