Rezension und Party

Das Theatertreffen der Jugend ist ein Festival, aber es ist mehr als nur ein Fest. Wenn die Blumen verteilt werden und der Applaus durch den Saal rauscht, wenn abends die Party steigt, dann ist es Zeit fürs Fest. Jede eingeladene Produktion hat auf hohem Niveau etwas geschaffen, das bemerkenswert ist. Das darf so richtig gefeiert werden.
Das Theatertreffen ist aber auch ein Raum für Gespräche und für neue Gedanken. Die Produktionen kommen aus ganz Deutschland. Manchmal kommen sie aus kleinen Ortschaften, und bisher haben nur Lokalzeitungen über sie geschrieben. In Berlin öffnet sich ein ganz anderer Raum. Hier gibt’s eine neue Öffentlichkeit. Das Festival ist zwar zu groß, als dass man hier jeden Einzelnen kennen lernen kann. Aber es ist auch so klein, dass man sich auf eines verlassen kann: Es ist ein geschützter Raum. Wir sind eine kleine Gemeinschaft.
Das ttj ist ein Raum, in dem sich keiner zurückhalten muss mit spontanen Einfällen, frechen Späßen, oder einfach nur Klartext. Dazu sind die Workshops da, die Aufführungsgespräche, und auch: die Festivalzeitung.

Die Festivalzeitung ist nicht nur dazu da, all das abzubilden, was in diesen acht Tagen hier geschieht. Das gehört natürlich auch dazu, und deshalb laufen wir jeden Tag mit Aufnahmegeräten und Fotoapparaten herum.
Uns geht es aber auch darum, neue Ereignisse zu schaffen, und zum Festival etwas beizutragen, das es sonst nicht geben würde. Und ein solcher Beitrag zum Festival, das sind die Rezensionen.

Mit den Rezensionen wollen wir Gespräche über die Stücke anregen, die sonst vielleicht nicht geführt worden wären. Ich bin jetzt seit drei Jahren beim ttj, und jedes Jahr treffe ich überraschte Leute, die nicht gedacht hätten, dass wir das schreiben, was wir schreiben.
Wir von der Redaktion sind in erster Linie Autoren und haben uns beim Schwester-Wettbewerb des ttj, dem Treffen Junger Autoren, kennen gelernt. Einige von uns sind schon seit mehr als fünf Jahren beim ttj. Wir lieben das Theater, aber wir kommen in der Regel nicht von der Bühne.
Wir schauen uns die Stücke an und horchen in uns rein, was sie bei uns auslösen. Manche von uns machen sich direkt im Stück Notizen. Am Abend und am Morgen danach diskutieren wir darüber. Dann geht es uns darum, unsere Eindrücke in einen Text zu bringen, und dabei deutlich zu machen, woher diese Eindrücke kommen. Unser Ziel ist es dabei, der Wirkung gerecht zu werden, die das Stück in uns ausgelöst hat.
Unser Ziel ist es aber nicht, Verbesserungsvorschläge zu machen, denn wir sind keine Regisseure. Und allgemeingültige Urteile wollen wir auch nicht fällen. Das können wir gar nicht, und wahrscheinlich kann das ohnehin keiner.
Was man mit diesen Rezensionen dann anfängt, das ist jedem selbst überlassen. Bestimmt kann man nicht immer ganz nachvollziehen, warum der Rezensent nun diesen oder jenen Eindruck vom Stück mitgenommen hat. Ich wundere mich auch manchmal über meine Kollegen. Manche Sachen kann ich erst Tage später diskutieren, weil ich die erst einmal sacken lassen muss. Aber gerade darin sehen wir den besonderen Input der Rezensionen. Die wollen nicht eingeschweißt oder eingerahmt werden. Sie wollen überraschen und irritieren, um Gespräche übers Theater anzuregen.