Revolution Reloaded:
Generation Revolution

Ich möchte zu diesem Stück keine Kritik verfassen. Nicht sagen, es war so und so und das war so und so oder so ne scheiße.

Ich möchte darüber nachdenken, wie jeder andere auch, der das Stück gesehen hat. Und meine Gedanken mit anderen Festivalteilnehmern teilen.

Etwas umdrehen. Revolution bedeutet: etwas umdrehen, verändern, gewaltsamer politischer Umsturz. Oder einfach nur revolution-one-solution wie es manche Linksradikale fordern.

Aber greifen wir nach diesem Wort nicht zu schnell? Revolution kann etwas Großes, aber auch etwas Kleines sein. Der erste Sex ist ein Beispiel für die erste kleine Revolution im Leben eines jungen Menschen. Die erste „Zigarette“ rauchen. Zum ersten Mal betrunken sein. Alles kleine Revolutionen.

Oder die großen, in der Schule gelernten aber nie erlebten. Die Französische Revolution, die Oktoberrevolution, die Kulturrevolution. Alles Revolutionen in riesigen Ausmaßen, ob guten oder schlechten, sei dahingestellt. Hatten wir nicht schon genug Revolution?

Heute spricht man schon bei einer kleinen 1.-Mai-Demo von Revolution. Ist der Begriff dafür nicht zu groß?

Waren die Räuber zur Zeit Schillers eine Revolution im Theater? Für damalige Verhältnisse eher eine Beleidigung des Adels. Man spricht im 21. Jahrhundert überall von Revolutionen, obwohl es keine gibt. Die digitale Revolution? Nein, einfach nur eine Weiterentwicklung aber keine Revolution.

Revolution muss von einer ganzen Generation gelebt werden.

Aber was war es gestern auf der Bühne, wenn es keine Revolution war?

Es war auf jeden Fall eine dieser kleinen Revolutionen für jeden Einzelnen aus der Gruppe. Als Preisträger nach Berlin zu fahren und in einem Stück mitspielen, vor einem Publikum, das genauso das Theater liebt wie man selbst.

Und jeder dieser jungen Menschen trägt eine Wut in sich. Jeder Mensch trägt eine Wut in sich. Diese Wut ist gestern von elf Schauspielern zusammengeballt auf einer kleinen Bühne in einer nicht zu großen Wabe zu spüren gewesen.

Es ist die Wut von Schiller, von Karl Moor und einer Gruppe Jugendlicher. Eine Wut, die zwei Generationen, drei Jahrhunderte von einander getrennt, auf der Theaterbühne wieder zusammen führt und am Ende abgefackelt wird.

Ich glaube, es war ein Stück, das dem Publikum zeigen wollte: „Hey Leute, wir sind da und wir haben was zu sagen – Tod oder Freiheit!“ Und dies war kein auswendig gelernter Text. Die Schauspieler des Stücks „Revolution Reloaded“ wollen auch frei sein. Genauso wie Karl Moor frei sein will. Genauso wie jeder einzelne auf den Straßen frei sein will.

Und ich denke, sie haben gestern beim Applaus ihre Freiheit bekommen.

Foto: Jan Stroetmann