Punk Rock:
Durchgestylte Gewaltorgie

Sechs Arschlöcher misshandeln sich auf der Bühne, lassen nichts aus, um den anderen zu quälen.

Aus Simon Stephens Textvorlage über brutale Jugendliche, die während der Examensphase durchdrehen, hat der Jugendclub der Münchner Kammerspiele einen schonungslosen Horrortrip gemacht. „Punk Rock“ ist so durchgestylt wie Fight Club, so ekelerregend wie Scripted Reality und fesselt mit perverser Schaulust.

Der Voyeur ist das Publikum. Der Streber wird bestraft und mit Bier bespuckt, die Mollige zur Sau gemacht. Eine Kamera bringt die Szenen überlebensgroß auf die Leinwand der Bühne. Das ganze Theaterhaus wird zum Schauplatz des Schreckens, mit der Kamera in der Hand bespielen die Münchner die Flure, Toiletten und benachbarten Bühnen. Mobbing, Angst und Schweiß in Nahaufnahme, vorangepeitscht mit grollenden Bässen und unheimlichen Loops aus dem Synthesizer, vom brodelnden Suspense bis zur donnernden Apokalypse: Ein beeindruckender Trip mit Sogwirkung ab der ersten Minute.

Das Stück eskaliert im Albtraum. „Alles Gute, was Menschen tun, geht am Ende schlecht aus“, prophezeit der vor Schweiß durchnässte Streber. Und behält recht: Ein Kamera-Effekt kehrt die Farben um, einer der Jugendlichen metzelt die anderen im Amoklauf nieder, live auf auf der Leinwand entstehen kinoreife Bilder, das sprudelnde Theaterblut fluoresziert im Farbfilter.

Nur der Schlussmonolog des Amokläufers überrascht. Nicht wegen der Bücher oder Filme habe er gemordet, erzählt er, nicht wegen dem Zeug aus dem Internet. Der Monolog ist der nachgeschobene Versuch einer Psychologisierung, doch der Versuch scheitert: „Punk Rock“ hat sich als ein Stück ohne Humor und Lehre präsentiert, die Orgie verträgt keine Erklärungen. Längst steht sie für sich als ein ekelerregendes Monument sadistischer Grausamkeit.

Foto: Dave Großmann