Prolog der
Eröffnungs-
veranstaltung

Releve

Zum ersten Mal auf Spitze, wackelnd, mit einem lockeren Schneidezahn und einem losen Gedanken. Im Straucheln um Balance versucht sich das Auge am Steinwurf, am Fesseln spielen, Fixierung ausprobieren: Im Spiegel ist ein Punkt, halt dich fest.
Die Luft wird betastet. Eine Pose geschmiedet.
Ein Auge anvisiert. Ein Blick gehegt. Der Körper gespitzt.
Eine schiefe Schraube, die endlich sitzt.
Ich füge mich ein in die Bewegung, ich werde gehalten von ihr. Sie hat Arme wie eine Straße, die sich durch hügelige Landschaft wiegt, keine Rundung bricht, ihren Willen ans Grüne verschenkt.
Drehung um Drehung, Jubel verwischter Farbtupfen.

Releve.
Wenn der Körper sich aufrichtet zerstieben die Umwege auf der Haut, Unmittelbarkeit benetzt die Fassaden der Bilder.
Ich bin das Instrument.
Wer baut mir eine Bühne?
Die Musik windet, kämmt die Knoten aus den Gedanken.
Wenn ich auftrete, entsteht ein Raum?
Wenn ich mein Gewicht verlagere, entsteht eine Vorstellung?
Wenn ich mich neige, durstige Blume, blühen Inszenierungen aus meinem Kreuz?
Wird sich der Boden windet unter meinem Schritt, wird mir das Parkett wegrutschen, ein Schiff in nicht zu bändigenden Strömen der Schwerkraft?
Ringen meine Gefühl mit dem Takt, ein Schluckauf auf Beinen?
Verheddere ich mich in einem Gestrüpp von Gesten?

Du witterst
Schulterblatt
aufrecht im Wind
Striemen harter Arbeit auf den Schuppen
meiner Kostüme
Managing dreams.
Managing guilt.
Managing expectations.
in den Gelenken sitzen
die Ungeduld
die Sprünge
Reibung wenn
die Posen aufkommen
Ein Seufzer Applaus
Ein erklatschter Raum
ein Vorhang aus Schatten
ein Pausenhof Backstage

Stille
ist eine Auffassung.
Alles Menschliche hat Rythmus.
Mein Schlüsselbein ist eine Vorahnung. Meine Waden eine Offensive.
Meine Augenbrauen eine Frage die du beantworten möchtest.
Aus dem Alttag, den Schreckgespenstern, den Gefälligkeiten, berge ich die Anatomie deiner Innerlichkeit.