Peanuts – Psycho-Prügel

Gestern Abend war schwierig. Schwieriges Thema. Schwierige Umsetzung. Schwieriges Stück. Auch schwer, darüber zu reden. Die Stimmen zum Stück musste die FZ aus dem schweigsamen Publikum regelrecht rausprügeln. Und wenn wir schon beim Prügeln sind: Geprügelt wurde gestern viel.

Ich fühle mich gewissermaßen auch verprügelt. Was der Jugendclub des Hans-Otto-Theaters da skizziert hat, ist eine beängstigende Zukunftsvision. Und wenn ich sagen würde, dass mich der zweite Akt kalt gelassen hat, dann würde ich lügen. Ein paar Mal musste ich mir doch auf die Nägel beißen und meine Hände kneten und die Augen aufreißen. Nicht, weil ich brutale Foltermethoden gesehen habe. Sondern, weil diese eben nicht da waren.

Erschüttert hat mich die Erniedrigung auf der psychischen Ebene. Das dringende Bedürfnis der Gefängniswärter, ihre Frustration über die eigene mittelmäßige Lebenssituation, durch Machtausüben über die Macht- und Wehrlosen vergessen zu machen. Sie sind nur ein unbedeutendes Glied in einer Kette, dass sich aber traurigerweise darüber definiert, die Massen unter ihnen fertig zu machen. Die Gefangenen sollen singen, Tiere spielen, die Untergebenen des Königs mimen.

Später im Zelt hört man tausende von Assoziationen vom KZ und Köpenicker Blutwoche bis DDR, Stasi oder „Das Experiment“ (googeln, wers nicht kennt). Irgendwie stimmt es ja doch, dass es immer und überall passieren kann. Und das war das Erschreckende. Und gerade deswegen fand ich den Aufhänger an den Folgen der Globalisierung und den Bezug auf bestimmte Ereignisse eher enttäuschend. Zu wörtlich war das Ganze. Zu wörtlich wurde das „Politische im Persönlichen“ und das „Persönliche im Politischen“ gesucht. Zu einfach wollte man das Konzept durch die Übertitel erklären. Oben noch das Schengener Abkommen und unten von „Wasser und Pipi“ reden. Hm.

Konsequent fand ich das Ganze auch nicht. Im Programmheft habe ich gelesen, dass die Gestiken der Peanuts konsequent ihren Lebensumständen angepasst wurden. Hat sich im Programmheft auch logisch angehört, aber ehrlich gesagt habe ich das bei der Aufführung nicht so gesehen. Der Bruch von Akt I zu Akt II war für mich zu hart. Zu überladen schien mir im ersten Akt die Bühne. Es wurde viel geredet, aber was man damit genau sagen wollte, kam nicht raus.

Auffällig war auch, dass nach dem Stück viele gesagt haben, sie habens nicht verstanden. Hätte ich ehrlich gesagt auch nicht, hätte ich das Programmheft nicht vorher gelesen. Und es mag ja sein, dass das Stück so angelegt ist, aber man muss doch selbst eine Quintessenz rausziehen können, ohne dass jemand es für einen auseinanderpflückt, zerkaut und in den Mund legt. Enttäuschend fand ich vor allem aber den letzten Satz. Er war so essenziell, kam aber vollkommen zu kurz. Zu spät kam man auf das, was man eigentlich die ganze Zeit sagen wollte. Und Fragen über Fragen habe ich jetzt immer noch. Naja, vielleicht werden diese ja noch in den nächsten Tagen im Festivalzelt geklärt. Bis dahin scheiden sich die Geister.