Peanuts –
Der Jugendclub des
Hans Otto Theaters Potsdam

Sie sind der Jugendclub des Hans Otto Theaters aus Potsdam. Sie sind Jan, Ulrike, Henrike, Sophie, Peter, Alissa, Janine, Nadine, Freda, Friederike, Bob, Manuela, Enno und Anne. Sie sind zusammen vierzehn Leute, elf Spieler, zwei Spielleiter. Sie sind zusammen soundsoviele Jahre alt (ich kann nicht rechnen). Sie mögen sich gegenseitig, sie sind sehr unterschiedlich aber trotzdem homogen. Sie sind lustig und ernst. Sie sind auch politisch, zumindest haben sie ein sehr politisches Stück für heute Abend mitgebracht. Es ist von Fausto Paravidino, eine Auftragsarbeit. Es ist eine Reaktion auf die Geschehnisse auf dem G8 Gipfel in Genua. „Horrible“, sagt die Gruppe dazu. Es sind Leute festgenommen worden, sie sind eingesperrt, gefoltert und unter schlimmstmöglichen Umständen verhört worden. Darüber sollte nachgedacht werden: Ach, und das Stück heißt Peanuts.

Die Spieler sind sehr gründlich an ihr Thema herangegangen. Sie haben erstmal zusammen Peanuts-Folgen geschaut. (Aha. So gründlich also.) Sie erzählen: Die bekannten Comicfiguren sind nicht zufällig gewählt. Es geht darum, dass dieses Thema universell ist, das man nicht einfach danach sagen kann:  „Ach, das war ja in Italien, das heißt ja nix.“ Die Peanuts sind auch eine Gruppe aus Individuen, und an ihnen kann man gut fragen, wie die einen zu Tätern und die anderen zu Opfern werden. Denn das ist auch die Frage im Stück, es geht um das Politische im Persönlichen, das wir so oft nicht bemerken und das Persönliche im Poltischen, das uns dann mit aller Wucht treffen kann, wenn aus den Bekannten die Einen und die Andern werden.  Wenn der Umgang unmenschlich und die Dimensionen größer werden.

Aber wir wollen ja hier was über die Gruppe erzählen. Erst einmal scheint sie viel mit ihren Figuren zu verbinden, sie haben auch viel an ihnen gearbeitet. Mit Plakaten und Mind Maps, mit der Entwicklung von Bewegungsmustern und Täter-Opfer-Rollenspielen, bei denen „es ziemlich zu Sache ging“. Sie haben auch viel geredet, zum Beispiel über die zehn Jahre zwischen Akt 1 und 2, sie haben versucht die Frage zu klären: Wie kann das eigentlich passieren? Sie scheinen zu wissen, wovon sie da reden.

Aber was denken die Potsdamer denn selbst über ihre Leitfragen? Das Politische im Persönlichen, das Persönliche im Politischen? Sie sagen einerseits, dass Unpolitischsein bequem sein kann, dass man oft denkt, man kann die Dinge einfach auf einer persönlichen Ebene halten. Sie sagen aber auch, dass eigentlich alles politisch ist, der T-Shirtkauf bei Hennes und Mauritz und das Gründen einer WG. Und dass Theater auch eine Form sein kann, politisch zu werden, wenn man nicht in Gremien sitzen will. Und dass es löblich ist, wenn man sich die Mühe macht und extra in ein fremdes Land reist, um klarzumachen, dass man auch etwas dazu zu sagen hat. Und da es ja nicht sein kann, dass man dann dafür eingesperrt und gefoltert wird.

Das Wort Globalisierung ist auch für sie ein großes, das die Themen so komplex macht, dass man gar nicht mehr weiß, wie man sich einsetzen soll. Vielleicht sollte deshalb, so sagt eine, das Persönliche auch wieder politischer werden. Gelohnt hat sich die Auseinandersetzung  in jedem Fall, so sind sich die Hans-Otto-Jugendclubber einig, und sie hoffen, es lohnt sich auch für das Publikum. Wenn sie sich nämlich etwas von ihren Zuschauern wünschen dürften (und das dürfen sie an dieser Stelle), dann wäre das, dass hinterher noch geredet und nachgedacht wird, da mit dem Ende des Abends das Thema noch nicht abgeschlossen ist. Dass man sich über die Zeitlosigkeit und Aktualität der Geschichte bewusst wird.  Und dass vielleicht die Leute auch mal Lust haben, nach Potsdam zu kommen.

Da ist es nämlich toll, sagen sie, weil man sich an schöne Stellen zurückziehen kann und trotzdem zentriert ist. Außerdem haben da früher die Könige gewohnt und jetzt wohnen sie da und nutzen die königliche Umgebung. Und außerdem geht nicht alles so unter, weil wenn was los ist, dann merkt man das eben auch. Und sie sagen noch, Potsdam ist großes Theater, weil so von den Königen angelegt, gut inszeniert eben. Hoffen wir, dass uns das auch heute Abend erwartet, nett sind sie ja schon mal.