Paulina sulla spiaggia:
Spielen Sie sich mal den Wolf!

Die Bar. Eine Bar ist eigentlich in jedem Fall eine super Sache. Man kann sich auf einer Bühne auch sehr stilvoll betrinken. Hinterher hat jemand gesagt, dass die ja nur einmal genutzt wurde, diese Bar. Find ich nicht. Den ganzen Tag über war hier neben der Redaktion Krach, P14-Krach, schräger Krach. Als ich die Bar vor der Bühne gesehen hab, dachte ich: „Die ist nicht so hingeräumt und requisitiert worden, sondern: so hingetrunken.“ Und mit diesem Gedanken hat das Stück angefangen.

[Ich möchte dem Leser das Überfliegen dieses Textes daraufhin, wie das Stück jetzt einzuordnen ist, ersparen. Ich fand es verdammt super. Ich hatte wirklich richtig Spaß. Ich bin glücklich aus der Wabe gekommen.]

Man kann jetzt auch anfangen zu streiten, darüber ob die da selber verstanden haben, was sie reden, die Zusammenhänge von Texten, die Einordnung in einen Volksbühnen-Pollesch-Ton und Arroganz gegenüber dem Publikum, wenn man ihm die Möglichkeit nimmt, mitzukommen. Und ob Theater berühren soll. Hab ich aber keine Lust zu, weil ich fand es ja super. Und außerdem: sich selber nicht zu ernst nehmen, das ist das Beste. Und dann darf man auch alles. Das ist mein vollkommener Eearnest. Ach und ich konnte einfach Theater schauen, völlig egoistisch auf ein Stündchen eigenes Theaterglück bedacht. So wie an einem großen Haus auch. Dafür auch: Hut ab.

An vielen Stellen hat es mich an eine bestimmte Situation erinnert. Wenn man auf der Probebühne sitzt und Textbuch schreibt und vor einem ein Haufen Jugendliche sich zum gefühlten 100sten Mal an einem Text versucht. Und in dem Text gibt es Gefühl, aber auf der Probe grade nicht. Und alles verkommt zu einem schon hundert hundert Mal durchgekauten Kauderwelsch (nicht falsch verstehen, ich mag meine Arbeit aber manchmal da kann man sich halt nicht begeistern. Probenloch sozusagen.) und man denkt eigentlich bloß: „Verdammt, fangt doch mal an zu spielen!“ Einfach spielen. Begeisterung für schräges Zeug ohne große Zusammenhänge, für die Lust am Text, an der Sprache, Bademänteln und nicht so viel langsamer reflektierter inhaltsschwer versuchter Kram. Ich weiß nicht, wie ihr geprobt habt, P14, aber ich stell es mir spaßig vor. Und der Gedanke gefällt mir, dass ihr einfach spielt und Bock drauf habt. (Und es auch könnt: Sprechen, Präsenz, alles tiptop.) Darauf, den Kauderwelsch als Solchen zu nehmen. Wenn man will, kann man alles in Zusammenhang setzen. Deshalb hatte ich auch gestern nicht das Gefühl, nicht mitzukommen.

Und inhaltlich gesehen: auch YEA! Weil es trotz allem Witz wirklich zarte Momente hatte und wirklich gute Texte mit vielen schön verworrenen Gedanken. Die Terrorismusdiskussion ist so ein Theatermoment, den ich mir auf Proben wünsche, oder die Szene mit den Telefonen. Spielen. Wenn man in Berlin theaterspielenden Jugendlichen begegnet, dann laufen viele davon im ausgangslosen Vorsprechen-an-Schauspielschulen-Hamsterrad. Und denken und reden bloß davon. Und werden sehr gleich in ihrem Rundrennen. Das ist bloß eine Beobachtung. Grade deshalb war auch die Vorsprechszene für einen Ort wie diesen hier ziemlich lustig. Und der Monolog über die Freiheit, der war auch einfach wunderbar. Weil es eben so ein Zwischending braucht, einen Gedanken ernst zu nehmen aber auch nicht zu sehr. Und dann einfach bei ner Zigarette drüber reden.

Ich hab ja vorhin schon gesagt: Man kann sich darüber auslassen, man kann Leichtigkeit auch kaputt erklären. Ich schließe mit den Worten:

Ich will aber keine Kindheit, ich will Theater!