Paulina sulla spiaggia:
Nackt mit Stöckelschuhen

P14 weiß, wie man’s macht: erst mal die Presse bestechen. Bei heiser hauchenden Journalisten ist das dann auch besonders einfach, einfach Ipalat rüberwachsen lassen, und dann geht die Sache klar. Deswegen hier der erste Satz dieser mittwöchlichen Gruppenvorstellung: Die Spieler von P14 sind echt sexy. Deswegen ist ihr ttj-Motto ja auch: Sexy sex (6) Tage. (Das wollten sie hier unbedingt erwähnt wissen.) Sie denken nämlich ständig nur an Sex und wollen wissen, mit wem aus der Redaktion sie schlafen müssen, um NOCH MEHR Aufmerksamkeit in der FZ zu bekommen. Einen Groß-Star-Auftritt. Im Prinzip wie jetzt, nur öfter. Aber da sagen Skandal und FZ vereint nur: Die Redaktion ist nicht bestechlich! Höchstens mit Ipalat, und das auch nur ganz selten, deswegen hier der zweite Satz dieser mittwöchlichen Gruppenvorstellung: Die Spieler von P14 sind keine authentischen Kühe. (Was auch immer sie der Welt damit sagen wollten.)

Das Berliner Ensemble, das heute Abend die WABE-Bühne bespielen wird, besteht aus sechs Spielern, einem Regisseur und einer Regieassistentin, alle im Alter von 20-26 Jahren, die sich im Jugendtheater der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz gefunden haben. Dabei ist einer der Spieler noch ganz neu, hat heute seine Premiere! Die FZ deckt auf: der im Programmheft erwähnte Burak Bulut spielt gar nicht mehr mit! Zwei (!) Tage vor Festivalbeginn hat er abgesagt, und trotzdem gelang dem Ensemble noch eine spontane Umbesetzung: Dank David Garzon Bardua können wir das Stück „Paulina sulla spiaggia“ heute Abend trotzdem sehen. FZ sagt: Puh. Außerdem heute Abend mit dabei: ein super berühmter (noch) anonymer Festivalteilnehmer in einer special Überraschungsgastrolle. Da steigt die Spannung umso mehr…

Apropos Spannung: Auf die Frage, wie man in einem Satz sagen könnte, worum es in „Paulina…“ geht, fragt P14 zurück – „Können wir uns kurz beraten?“ Sie beraten sich und kommen zu folgendem Ergebnis: „Es geht um Terrorismus und Innovation am Beispiel einer Liebesbeziehung zu Italien, zu der man heute nicht mehr stehen kann, wobei die Liebesbeziehung nicht metaphorisch, sondern durchaus körperlich zu verstehen ist.“ Und warum Italien? Weil der Regisseur „italophil“ sei, und weil Italien im Sommer 2009 so ein wichtiges Thema in den Medien gewesen sei; weil man versuche, das bestehende Italien-Bild zu dekonstruieren und Themen, die man sonst eher im politischen Kabarett oder in Diskussionsrunden findet, theatral auf die Bühne zu bringen; und überhaupt – weil alle aus dem Ensemble da so gerne in den Urlaub hinfahren. Jedenfalls war ihre Impuls-Grundlage der französische Film „Pauline à la plage“ von Éric Rohmer, in Barcelona kam ihnen die Idee, einen Film über Italien zu machen, und dann haben sie sich in Berlin einmal die Woche getroffen zur Recherche-Auswertung: Filme gucken, Texte schreiben.

Klingt alles kompliziert, ist es vielleicht aber gar nicht, denn den Trailer zu ihrem Stück von den Krefeldern fanden sie gut: „Der war der beste von allen!“ Überhaupt gefällt ihnen das Festival. Das Stück um acht wird zum festen Bestandteil des Tagesablaufs, und am besten sind: die Gespräche danach am Biertisch. „Da bekommt man eine Idee davon, was Theater alles sein kann.“ Aber wenn sie sich etwas wünschen könnten, was dann ab morgen auf dem Festival eingeführt werden würde, dann: lautere (viel lautere) Musik. Und außerdem: „die WABE als Partylocation mit ganz viel sexy bitch“. P14, nicht traurig sein: Das gibt’s doch alles spätestens am Freitagabend, und vielleicht werden dann auch alle Festivalteilnehmer dem P14-Credo folgen.

Das lautet nämlich angeblich: Nackt mit Stöckelschuhen.

Foto: Dave Großmann